Ein langer Weg, ein greifbares Ziel

Die Eisenerzförderung in der Schachtanlage Konrad begann 1965 und wurde 1976 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. In diesem Zeitraum wurden insgesamt 6,6 Millionen Tonnen Eisenerz gewonnen. Auf der Suche nach einem geeigneten Endlager beauftragte der Bund 1975 die damalige Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung mbH (GSF), erste wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen, die die Eignung als Endlager für radioaktive Abfälle überprüfen sollten. Zuvor hatte der damalige Betriebsrat der Schachtanlage Konrad auf die mögliche Eignung der Lagerstätte aufmerksam gemacht. Erste Ergebnisse zeigten, dass die Schachtanlage grundsätzlich als Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle geeignet sein dürfte.

Aufgrund vieler positiver Eigenschaften, wie z.B. der tiefen Lage des Erzhorizontes, der ungewöhnlichen Trockenheit der Grubenräume und der guten Abdichtung gegen die oberflächennahen Grundwasserhorizonte durch ein überwiegend toniges Deckgebirge, entschied man sich, weitere Untersuchungen durchzuführen. Das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) beauftragte hierzu 1976 die GSF sowie das Kernforschungszentrum Karlsruhe (KfK). Besonders die geologischen und bergtechnischen Gegebenheiten für eine mögliche Endlagerung von radioaktiven Abfällen sollten geprüft werden.

 Aufgrund weiterhin positiver Ergebnisse, die 1982 in einem Abschlussbericht der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, stellte die seinerzeit zuständige Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) im Einvernehmen mit der Bundesregierung im selben Jahr einen Antrag auf Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens gemäß § 9 AtG.

Die gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsanalyse für ein Endlager für radioaktive Abfälle wurde zwischen 1982 und 1990 von der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) mbH unter landesbehördlicher Begleitung für das Gesamtsystem Endlager Konrad (geologische Verhältnisse, Abfallarten, Einlagerungstechnik) erarbeitet. Hierbei wurden die standortspezifischen Gegebenheiten sowie die Art und die Eigenschaften der für die Einlagerung in dieser Anlage vorgesehenen radioaktiven Abfälle berücksichtigt.

Beteiligung der Öffentlichkeit

1989 wurden die Planunterlagen der Planfeststellungsbehörde, dem Niedersächsischen Umweltministerium (NMU), überreicht. Mitte 1990 wurde die Vollständigkeit der Unterlagen bestätigt. Nach einer ersten Weisung des Bundesumweltministeriums (BMU) konnte die Öffentlichkeit zwischen dem 22.05.1991 und 15.07.1991 Einblick in die Planunterlagen nehmen. Nach einer zweiten bundesaufsichtlichen Weisung wurde mit der öffentlichen Erörterung begonnen. Nach weiteren vier Weisungen zur Wiederaufnahme der Erörterung wurde diese am 06.03.1993 beendet. Der Planfeststellungsbeschluss erging jedoch erst im Juni 2002.

Gegen den Planfeststellungsbeschluss klagten drei Kommunen und eine Privatperson. Nach der Verhandlung am 28. Februar sowie am 1. und 2. März 2006 bestätigte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg mit Urteil vom 8. März 2006 den Planfeststellungsbeschluss in allen Punkten.

Das OVG ließ zudem eine Revision gegen die Entscheidung vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig nicht zu. Die unterlegenen Kläger hatten jedoch das Recht zu einer Nichtzulassungsbeschwerde gegen die Revisionsentscheidung des OVG vor dem Bundesverwaltungsgericht. Diese lehnte das Bundesverwaltungsgericht mit Beschlussfassung vom 3. April 2007 ab. Damit erlangte die Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb des Endlagers Konrad endgültig Rechtskraft.

Umbau zum Endlager

Im Anschluss hat der Bauherr BfS gemeinsam mit dem von ihm Beauftragten Dritten gemäß § 9a Absatz 3 AtG, der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH (DBE), im Mai 2007 mit den Vorbereitungen zur Umrüstung der Schachtanlage zum Endlager begonnen.

Bis Ende 2009 waren im Wesentlichen Planungsarbeiten zur Vorbereitung der Umbaumaßnahmen durchzuführen. Seitdem werden Auflagen und Nebenbestimmungen des Planfeststellungsbeschlusses nach Stand von Wissenschaft und Technik in aktualisierte Ausführungsplanungen umgesetzt. Aktuell laufen parallel dazu die über- sowie untertägigen Umbaumaßnahmen. Dazu gehört beispielsweise die Errichtung der erforderlichen übertägigen Gebäude, die Sanierung der Schächte Konrad 1 und 2 und der Einbau der notwendigen Fördereinrichtungen sowie die Beschaffung bzw. Instandsetzung der notwendigen Betriebsmittel für die Streckenauffahrung unter Tage bzw. den zukünftigen Transport der Abfallgebinde.