Vielfalt der Erkundungsmethoden
Für die Erkundung des Salzstockes in Gorleben wird eine Vielzahl von Untersuchungsmethoden eingesetzt. Eine Methode, die speziell in nur gering leitfähigem und trockenem Salz zu sehr präzisen Ergebnissen führt, ist die elektromagnetische Hochfrequenz-Reflexionsmessung (EMR-Messung). Aus Strecken wie auch in Bohrlöchern wird diese Methode eingesetzt, um ein Bild über die geologischen Strukturen in der Umgebung zu erhalten. Die EMR-Methodik nutzt dabei die unterschiedlichen elektromagnetischen Widerstände an den Übergängen zwischen zwei geologischen Schichten, um zusammen mit einer Entfernungsinformation ein strukturelles Bild der Umgebung zu visualisieren.
Ergänzt werden diese Informationen durch untertägige Erkundungsbohrungen und die damit verbundene detaillierte Beschreibung der Bohrkerne sowie die geologische Kartierung der aufgefahrenen Strecken und Hohlräume.
Eine entscheidende Aufgabe der Erkundung ist zu überprüfen, ob die den zentralen Bereich des Salzstockes im Norden und Süden begrenzenden Schichten des Hauptanhydrits in einer „zerblockten“ Form vorgefunden werden. Die Zerblockung gewährleistet, dass es auch langfristig keine Wegsamkeiten für Lösungen vom Deckgebirge in den Salzstock geben kann und das Hauptsalz, in das die radioaktiven Abfälle eingelagert würden, also auch in geologischen Zeiträumen „trocken“ bleibt.
Kohlenwasserstoffe, die, nicht ungewöhnlich in Salzstöcken, auch im Gorlebener Salzstock auftreten, werden chemisch analysiert, um ihre Herkunft zu bestimmen. Durchzuführende Aufheizversuche im Labor simulieren das Verhalten von Kohlenwasserstoffen nach der Einwirkung der Wärme von endgelagerten hochradioaktiven Abfällen.
Chemisch-mineralogische Untersuchungen des Salzgesteins lassen Aussagen zu ihrer geologischen Vergangenheit und damit auch Prognosen für ihre zukünftige Entwicklung zu. Darüber hinaus werden hydraulische Permeabilitäten (Durchlässigkeiten) von Salzproben bestimmt, um die Möglichkeit einer Nuklidausbreitung bei Langzeitsicherheitsrechnungen berücksichtigen zu können. Hierzu werden sogenannte Packertests durchgeführt: ein Bohrloch wird mit Druck beaufschlagt, der sich einstellende Druckabfall gibt Aufschluss über die Durchlässigkeit des umgebenden Gesteins.
Am Ende steht die Eignungsprognose
Nach der aktuellen Planung soll nach Abschluss der Erkundung der benachbarten EB1 und EB3, sowie der Vorläufigen Sicherheitsanalyse Gorleben und einem abschließenden Peer Review Mitte 2013 über das weitere Vorgehen am Standort Gorleben entschieden werden. Kann aus den Ergebnissen der Arbeiten keine positive Eignungsprognose abgeleitet werden, wäre der Standort Gorleben aufzugeben. Sollte es weiterhin bei einer positiven Eignungsprognose bleiben, wäre eine Entscheidung zur umfänglichen Erkundung des gesamten, potentiellen Einlagerungsbereichs ein nächster sinnvoller Schritt. Auf Basis dieser Ergebnisse könnte eine weitere Sicherheitsanalyse erstellt werden. Erst dann könnte ein formales Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden.
Über die aktuellen Erkundungsarbeiten informiert das BMU wöchentlich aktualisiert auf seinem Internetangebot gorlebendialog.de.