Endlagersuche seit den 1980er Jahren

Yucca Mountain
Seit 1982 gibt es in den USA den gesetzlichen Auftrag, einen geeigneten Endlagerstandort für eine Kapazität von 70.000 Tonnen wärmeentwickelnde Abfälle zu suchen. 1983 wählte das Department of Energy (DOE), das amerikanische Energieministerium, neun Standorte in sechs Bundesstaaten für Voruntersuchungen aus. 1985 wurden nach Abschluss der Voruntersuchungen drei Standorte für eingehende wissenschaftliche Untersuchungen ausgewählt: Hanford in Bundesstaat Washington, Deaf Smith County in Texas und Yucca Mountain in Nevada.

 

 

Fokus auf Yucca Mountain

Geologisches Modell Yucca Mountain
1987 änderte der Kongress den Nuclear Waste Policy Act und gab dem DOE den Auftrag, sich auf den potenziellen Standort Yucca Mountain zu konzentrieren. In der Gesetzesänderung wurde betont, dass die Erkundungsarbeiten sofort gestoppt werden würden, wenn Yucca Mountain zu einem bestimmten Zeitpunkt für ungeeignet erachtet würde. Das Endlagervolumen der Anlage wurde mit etwa 140.000 t geplant. Der Standort liegt in der Nähe eines ehemaligen Atomwaffen-Testgeländes in einer Wüstenregion. Der für das Endlager vorgesehene Berg besteht aus vulkanischem Schmelz-Tuffstein. Im Februar 2002 zog Energieminister Spencer Abraham die Bilanz, dass der Standort nach den vom Energieministerium für Yucca Mountain aufgestellten Kriterien für ein Endlager geeignet sei und empfahl dem Präsidenten George W. Bush, an diesem Standort ein Endlager zu verwirklichen. Eine entsprechende Absicht teilte der Präsident dem Kongress mit. Abgeordnetenhaus und Senat billigten die Absicht und verwarfen damit ein Veto des damaligen Gouverneurs von Nevada.

Neubeginn unter Präsident Obama

Im Juni 2008 stellte schließlich das DOE den Bauantrag für Yucca Mountain bei der Nuclear Regulatory Commission (NRC), der amerikanischen Behörde für die Genehmigung und die Sicherheit von Kernkraftwerken. Durch Einwände der US-Regierung unter Barack Obama, dazu gehören Zweifel an der Eignung von Schmelz-Tuffstein als geologische Barriere, Bedenken über die Unausgewogenheit des Auswahlverfahrens und die Präferierung von freiwilligen Commitments von Gemeinden an möglichen Endlagerstandorten, wurde im März 2009 das Budget für Yucca Mountain deutlich gekürzt. Die US-Regierung wies die NRC an, den Bauantrag abzulehnen. Die USA bereiten zurzeit eine neue politische Strategie für die Entsorgung radioaktiver Abfälle vor. Dazu gründete sie eine „Blue-Ribbon Commission on America’s Nuclear Future“, die mit hochrangigen Politikern und Fachleuten besetzt ist. Diese soll, unter der Beteiligung der Öffentlichkeit, Empfehlungen für einen neuen rechtlichen Rahmen für die Entsorgung hochradioaktiver Abfälle erarbeiten. Am 26.01.2012 hat die Kommission ihren Abschlussbericht vorgelegt. Es wird u.a. empfohlen, ein neues Standortauswahlverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchzuführen, eine eigene Endlagerorganisation zu schaffen und zentrale Zwischenlager zu errichten.Yucca Mountain wurde aufgrund lokaler Widerstände der betroffenen Gemeinden zunächst nicht als Endlager eingerichtet. Der Grund dafür war, dass die amerikanische Regierung unter Präsident George W. Bush nur einen Standort in Betracht gezogen habe.Sicherheitstechnisch bestehen jedoch bisher keine Bedenken gegen Yucca Mountain.

Aktuell befindet sich Yucca Mountain in der engeren Auswahl als potentieller Standort für die Endlagerung hochradioaktiver Stoffe. Das Endlager soll, ähnlich dem europäischen Konzept, in einer tiefen geologischen Formation errichtet werden. Bevor Yucca Mountain in Betrieb gehen darf (frühestens ist dafür 2017 avisiert), müssen bestimmte Auflagen erfüllt werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Die Environmental Protection Agency (EPA) muss die Sicherheitsanforderungen aktualisieren
  • Die DOE muss die Genehmigung für den Bau des Endlagers bei der Nuclear Regulatory Commission (NRC) einreichen
  • Die NRC muss die Anträge der DOE gemäß den EPA-Anforderungen überprüfen und deren Erfüllung bestätigen
  • Bau des Endlagers durch DOE und Antrag auf die Annahme von radioaktiven Abfällen bei NRC
  • Bestätigung durch NRC, dass das Endlager die Sicherheitsanforderungen gemäß EPA erfüllt


Die Aktualisierung der Sicherheitsanforderungen und die Genehmigung für den Bau (s.o.) wurden bereits im Jahr 2008 abgeschlossen.

Status der Kernenergie

Die USA sind weltweit der größte Stromerzeuger durch Kernenergie. Sie produzieren ca. 30 % der weltweit erzeugten Kernenergie. National werden etwa 20 % des Energiebedarfs durch Kernenergie gedeckt. Derzeit befinden sich 99 Reaktoren in Betrieb,  5 weitere werden aktuell errichtet. Diese sind über 30 Staaten verteilt und werden durch 30 verschiedene Energieversorgungsunternehmen betrieben.

Aufgrund des Reaktorunfalls im Kernkraftwerk Three Mile Island im Jahr 1979 wurde bis zum Jahr 2013 kein neues Kernkraftwerk errichtet, nicht zuletzt weil Gas als kostengünstige Energieressource verfügbar ist. Da in 2010 niedrig bleibende Gaspreise für die USA vorausgesagt wurden und die USA ihre Schiefergasvorkommen weiterhin intensiv erkundet, fällt die Expansion der Kernenergie relativ gering aus. Nach einem Anstieg des Gaspreises aufgrund der aktuellen Kältewelle in Amerika ist damit zu rechnen, dass sich der Gaspreis wieder auf dem vorherigen niedrigen Niveau einpendelt.
Zur Sicherstellung der Einhaltung der Sicherheitsanforderungen seitens der Kernkraftwerke führt das Institute of Nuclear Power Operations (INPO) alle 18 – 24 Monate Überprüfungen an den Kernkraftwerksstandorten durch.

Die ursprüngliche Laufzeit der Kernkraftwerke in den USA beträgt 40 Jahre. Dies ist jedoch nicht aus Sicherheitsgründen, sondern aus Kostenbetrachtungen der Fall. Optional kann die Laufzeit um 20 Jahre verlängert werden.
Im Jahr 2014 befanden sich 13 Reaktoren kurz vor dem Ende der Laufzeit, insgesamt wurde aber im selben Jahr bei 75 Reaktoren eine Laufzeitverlängerung von 20 Jahren bestätigt. Die gesamte Laufzeit der Kernkraftwerke wird zwischen 60 und 80 Jahren liegen und damit, bei Kernkraftwerken, die in den 1970er und 80er Jahren in Betrieb genommen wurden, zwischen 2030 und 2050 enden. Im Zuge der verlängerten Laufzeit werden bis 2017 56 Reaktoren modernisiert.
Die Vereinigten Staaten müssen in den kommenden Jahrzehnten mit einem hohen Anstieg der Energieproduktion rechnen, da der Gesamtbedarf der amerikanischen Bevölkerung stetig wächst. Die öffentliche Wahrnehmung der Kernenergie in den USA ist überwiegend positiv, 61 % der Befragten einer Umfrage sprachen sich für den Ausbau der Kernkraft aus. Auch nach dem Reaktorunfall von Fukushima Daiichi  in 2011 bleibt die Mehrheit der Amerikaner gegenüber dem Thema Kernkraft unverändert positiv gestimmt (57 % in 2011 und 2012).

Endlager WIPP in New Mexico seit 1999 in Betrieb

In den USA ist bereits seit 1999 ein Endlager in einer tiefen geologischen Formation (Salz), die Waste Isolation Pilot Plant (WIPP) bei Carlsbad, New Mexico, in Betrieb. Es ist damit das weltweit erste in Betrieb genommene Endlager auch für hochradioaktive Abfälle. Es ist nicht für wärmeentwickelnden hochradioaktiven Abfall, sondern für Transurane (starke Alphastrahler) aus der Forschung sowie aus der Produktion von Atomwaffen bestimmt. Die USA definieren Transuranabfälle als solche, die Radionuklide mit Kernladungszahlen >92, Halbwertszeiten länger als 20 Jahren und spezifische Aktivitäten von mehr als 3 700 Bq/g enthalten. Sie werden in sogenannte contact-handled-Abfälle (CH) mit einer zulässigen Dosisleistung an der Behälteroberfläche bis zu 2 mSv/h und remote-handled-Abfälle (RH), mit einer Dosisleistung zwischen 2 mSv/h und 10 Sv/h, unterteilt. Die RH-Abfälle belegen nur einen Anteil von 4 % der Lagerkapazität des WIPP.
Die WIPP ist allein zum Zweck der Endlagerung eingerichtet worden. Der Endlagerbereich umfasst 0,5 km² und besteht aus acht Feldern mit jeweils sieben Kammern. Die genehmigte Einlagerungskapazität beträgt ca. 180.000 m³.

 

Weiterführende Informationen finden Sie unter www.nrc.gov

Stand: 13.02.2015