Kernkraftwerksbetreiber in der Pflicht

Endlager Forsmark (SKB, LAJ illustration)
In Schweden sind, wie in Finnland, die Betreiber der Kernkraftwerke für die Entsorgung und Endlagerung verantwortlich. Sie haben hierfür die gemeinsame Gesellschaft SKB (Svensk Kärnbränslehantering AB) gegründet, die zugleich für Transporte und Zwischenlagerung zuständig ist. Die Arbeiten zur Endlagerung von hochaktiven Abfällen werden in enger Kooperation mit den Finnen (Posiva Oy) durchgeführt, da durch das Wirtsgestein Granit, das in beiden Ländern genutzt wird, vergleichbare Endlager und Behälterkonzepte entwickelt werden.

 

 

Forschungsarbeiten seit den 1970er Jahren

Endlagerlayout Forsmark (SKB, LAJ illustration)
1977 nahm SKB die Forschungsarbeiten für ein Endlagerkonzept auf und richtete im ehemaligen Bergwerk Stripa ein Labor für Einlagerungstechnik ein. 1983 veröffentlichte SKB in dem Bericht „KBS-3“ ihr Konzept einer Einkapselung verbrauchter Brennelemente, mit dem die natürlichen, durch die Gesteinsformation gegebenen Barrieren durch zusätzliche ingenieurtechnische Barrieren wie z.B. Bentonit-Ringe ergänzt werden sollen. Später verlagerten sich die Forschungsarbeiten auf das bei Oskarshamn in einer Tiefe von 460 m gelegene Felslabor Äspö, das von 1990 bis 1995 eingerichtet wurde.
Während der Vorbereitung auf den Betrieb des Endlagers läuft ein zeitlich bis 2016 befristetes Projekt zur horizontalen Einlagerung der Behälter (KBS-3H) im Endlager Forsmark (siehe Absatz: Endlager Forsmark soll 2030 in Betrieb gehen). Darauffolgend soll eine Analyse der Testergebnisse stattfinden, woraus eine Entscheidung für das Einlagerungskonzept, horizontale oder vertikale Einlagerung, resultiert.

Aktueller Status der Kernenergie

Die Kernenergie stellt in Schweden im Jahresmittel ca. 40% der benötigten Gesamtenergie zur Verfügung. Im Jahr 2013 sprachen sich 38% der Teilnehmer einer Umfrage in Schweden für die zukünftige Nutzung der Kernenergie und die Substitution bestehender Kernkraftwerke durch neue Kernkraftwerke am selben Standort aus. In der selben Umfrage bestätigten 30%, die bestehenden Kernkraftwerke weiter betreiben zu wollen. In 2009 wurde seitens der schwedischen Regierung zugestimmt, neue Reaktoren an den bestehenden Standorten der Kernkraftwerke zu errichten.

Nach dem Reaktorunfall von Fukushima im Jahr 2011 haben die schwedischen Kernkraftwerke erhöhte Auflagen zur Sicherheit der Kernkraftwerke zu erfüllen und der schwedischen Strahlenschutzbehörde SSM nachzuweisen. Die schwedische Regierung ist aufgrund ihrer Konstellation aus verschiedenen Parteien geteilter Meinung über die Kernenergie. Die grüne Fraktion der schwedischen Koalition fordert die erhöhte Versteuerungen im Bezug auf die durch Kernkraftwerke produzierte Energie, wodurch auch der Fonds zur Finanzierung der Endlagerung verstärkt gespeist werden soll. Das schwedische Energieversorgungsunternehmen Vattenfall hält sich die zukünftige Orientierung, hin zur Kernenergie oder hin zu erneuerbaren Energien, nicht zuletzt wegen der Rentabilität der Erzeugung mittels Kernenergie offen. Im Januar 2014 wurde eine öffentliche Diskussion gestartet, um den aktuellen Stellenwert der Kernenergie in der Bevölkerung zu eruieren. Diese umfasst beispielsweise die Durchführung von Ausstellungen, das Verteilen und zur Verfügung stellen von Informationsbroschüren und das Durchführen von Briefwechseln sowie öffentlichen Diskussionen bei Versammlungen.

Die beiden ältesten schwedischen Reaktoren Oskarshamn 1 und 2 gingen 1972 und 1974 in Betrieb und sollten 50 Jahre in Betrieb sein, die Abschaltung steht also unmittelbar bevor. Die anderen schwedischen Kernkraftwerke wurden zwischen 1975 und 1985 in Betrieb genommen und besitzen eine voraussichtliche Laufzeit von 50-60 Jahren und werden bis voraussichtlich 2045 vom Netz genommen werden.
In den Jahren 2013 bis 2017 werden die schwedischen Kernkraftwerke von Vattenfall erneuert.

Abhängig von den Ergebnissen der aktuell stattfindenden öffentlichen Diskussion, den Nachrüstungsmaßnahmen im Zuge von Fukushima und der Erhöhung der Steuern für die schwedischen Energieversorgungsunternehmen, bleibt es zunächst unsicher, ob die Laufzeiten der Kernkraftwerke in vollem Maße ausgeschöpft werden.

Ob die Steuererhöhung mit dem europäischen Wettbewerbsgesetz vereinbar ist, wird im Frühjahr 2015 von der Europäischen Kommission entschieden.

Endlager Forsmark soll 2030 in Betrieb gehen

Von 1993 bis 2000 führte SKB für acht verschiedene Standorte Machbarkeitsstudien durch. Die Grundvoraussetzung für einen potentiellen Standort ist die Zustimmung der ansässigen Bevölkerung. Aus diesem Grund ist das Standortauswahlverfahren im engen Dialog zwischen dem Betreiber SKB und den Anwohnern der Kommunen bzw. der Provinzialregierung selbst geprägt. Zwei der Standorte (Storuman und Malä) schieden auf Grund von ablehnenden Gemeindereferenden in 1995 bzw. 1997 aus. Von den übrigen sechs (Östhammar, Nyköping, Tierp, Oskarshamn, Hultsfred und Älvkarleby) erschienen fünf als geeignet. Von diesen zog SKB die Standorte Östhammar (bei Forsmark), Oskarshamn und Tierp in die engere Wahl, auch weil Östhammar und Oskarshamn bereits weitesgehend über die notwendige Infrastruktur - in beiden Kommunen stehen auch Kernkraftwerke - verfügen. Die Gemeinderäte von Östhammar und Oskarshamn genehmigten die Durchführung von Erkundungsbohrungen. Tierp lehnte mit einer knappen Mehrheit ab (25 zu 23 Stimmen) und schied damit aus. Die Erkundungsbohrungen begannen in 2002. Im Juni 2009 entschied sich SKB für den Standort Forsmark, weil dort das Gestein eine höhere Wärmeleitfähigkeit als in Oskarshamn aufweist. Dadurch ist eine bessere Abführung der Nachzerfallswärme gegeben, woraus sowohl eine geringere Flächenausdehnung des Endlagergebäudes als auch geringere Kosten resultieren. Die Gemeinde Oskarshamn hat aufgrund der Ablehnung „ihres“ Endlagerstandorts eine finanzielle Entschädigung erhalten. Im März 2011 wurde von SKB der Antrag zu Errichtung eines Endlagers am Standort Forsmark bei den schwedischen Aufsichtsbehörden eingereicht. Nach den Plänen der SKB soll die Errichtung 2020 beginnen und das Endlager in 2030 betriebsbereit sein.

SFR als Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle

Für schwach- und mittelradioaktive Abfälle der 10 schwedischen Kernkraftwerke betreibt SKB nahe beim Kernkraftwerk Forsmark seit 1988 ein oberflächennahes Endlager (SFR) etwa 50 m unter der Ostsee im Granit.  

Verbrauchte Brennelemente und Kernbauteile werden seit 1985 im zentralen Zwischenlager CLAB, nahe beim Kernkraftwerk Oskarshamn, zwischengelagert. Das Lagervolumen fasst 8.000 t, wovon 5.800 t belegt sind. Jährlich nimmt das Inventar um ca. 200 t zu. Die Bewilligung einer Lagervolumenerhöhung wird für 2018 erwartet. Dadurch kann die voraussichtliche Gesamtmasse von ca. 12.000 t Kernbrennstoff in ca. 6000 Behältern zwischengelagert werden.

 

Weiterführende Informationen finden Sie unter www.skb.se

Stand: 13.02.2015