Verantwortung der Kernkraftwerksbetreiber
Endlager ONKALO (Quelle: Posiva Oy / Ilmakuvat)

In Finnland sind die Betreiber der beiden Doppelblock-Kernkraftwerke Loviisa (Fortum – zwei WWER sowjetischer Bauart) und Olkiluoto (TVO – zwei Siederwasserreaktoren, Neubau eines EPR) für die Schaffung und den Betrieb von Endlagern selbst verantwortlich. Der Import und Export von radioaktiven Abfällen ist verboten. An beiden Standorten sind Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall in Betrieb. Zur Realisierung eines Endlagers für abgebrannte Brennelemente wurde das gemeinsame Unternehmen “Posiva Oy“ gegründet, an dem TVO 60% und Fortum 40% der Anteile halten.

Gestuftes Vorgehen in Atomgesetz
Endlagerlayout (Quelle: Posiva Oy)

Hinsichtlich der Einrichtung eines Endlagers für hochradioaktive Abfälle sieht das finnische Atomgesetz ein gestuftes Vorgehen vor. Die erste Entscheidung ist die politische Festlegung des Staatsrates ein Endlager für radioaktive Abfälle in Finnland zu errichten. Für die anschließende Standortfindung legt das Atomgesetz die Einbindung der betroffenen Kommunen, regionalen und überregionalen Verwaltungen und Organisationen fest. Nach Vorlage der jeweiligen Stellungnahmen ist eine öffentliche Anhörung zu organisieren. Die dann abschließende Standortentscheidung des Staatsrates muss vom Parlament ratifiziert werden. Die endgültige Baugenehmigung sowie die Betriebserlaubnis werden dann wieder vom Staatsrat erteilt.

Bevölkerung unterstützt Standortentscheidung

Auf Grund eines Regierungsbeschlusses von 1983 wurden von 1986 bis 2000 vier Standorte im Granit, darunter die beiden Kernkraftwerksstandorte, in unterschiedlichen Regionen Finnlands übertägig und mit verschiedenen Bohrungen von der Oberfläche erkundet.  Nachdem sich alle diese Standorte als geeignet erwiesen, wählte Posiva Oy zur Minimierung der erforderlichen Transporte Olkiluoto aus. Mit großer Mehrheit unterstützten der Gemeinderat von Eurajoki (20 zu 7 Simmen), in deren Gebiet Olkiluoto liegt, und die ansässige Bevölkerung, eine Umfrage ergab ca. 60 % Zustimmung, diese Entscheidung. Die Regierung billigte die Standortwahl im Dezember 2000 und legte eine maximale Kapazität von 4.000 t verbrauchtem Kernbrennstoff fest. Diese ist ausreichend für die vier in Betrieb befindlichen Kernkraftwerksblöcke über eine Betriebsdauer von 60 Jahren. Das Parlament ratifizierte diese Regierungsentscheidung im Mai 2001 mit 159:3 Stimmen nahezu einstimmig, auch mit Unterstützung durch die Mehrzahl der grünen Abgeordneten. Im Zuge der Regierungs- und Parlamentsentscheidung zum Bau des fünften Kernkraftwerks (EPR) in Olkiluoto (Januar bzw. Mai 2002) wurde eine Erweiterung der Kapazität des Endlagers um den verbrauchten Brennstoff dieses Blockes gebilligt.

Der Antrag auf Erteilung einer Baugenehmigung wurde am 28.12.2012 bei der finnischen Regierung eingereicht, der Antrag auf Betriebsgenehmigung ist für 2018, die Aufnahme des Endlagerbetriebs für 2020 geplant. Mit der Errichtung der notwendigen Infrastruktur (Schächte und Rampe) für ein Untertagelabor am Standort (ONKALO) wurde bereits 2004 begonnen. Nach den aktuellen Planungen soll das Endlager dann bis 2112 betrieben werden und im Jahr 2120 langzeitsicher verschlossen sein. Das finnische Endlagerkonzept im Granit basiert auf dem schwedischen Konzept. Die Endlagerplanung wird in enger Kooperation mit den Schweden durchgeführt.

Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Betrieb

Für mittel- und schwachradioaktive Abfälle gibt es in Finnland zwei ähnlich aufgebaute Endlager, die sich an den Standorten der Kernkraftwerke in Olkiluoto und Loviisa befinden. In Olkiluoto wird seit 1992 und in Loviisa seit 1998 eingelagert. Die schwach- und mittelradioaktiven Gebinde werden aus einem Zwischenlager mit Spezialfahrzeugen über 300 m öffentliche Straße ins Endlager transportiert und dort über eine Rampe bis in eine Halle in 60 m Tiefe gefahren. Die Abfälle werden in zwei Lagersilos, je eines für schwach- und eines für mittelradioaktive Abfälle, herabgelassen. Die Silos haben einen Durchmesser von 24 m und eine Höhe von 34 m und werden nach dem Befüllen mit Betonplatten abgedeckt, deren Dicke sich nach der erforderlichen Abschirmung richtet. Insgesamt hat das Endlager eine Kapazität, die den gesamten radioaktiven Abfall in Finnland in den nächsten 50 Jahren aufnehmen kann.

Stand: 08.01.2013