Verantwortung der Kernkraftwerksbetreiber

Endlagerlayout (Quelle: Posiva Oy)
In Finnland sind die Betreiber der beiden Doppelblock-Kernkraftwerke Loviisa (Betreiber: Fortum,  zwei DWR sowjetischer Bauart  (WWER)) und Olkiluoto (Betreiber: TVO, zwei Siedewasserreaktoren, Neubau eines DWR des Typs EPR) für die Errichtung und den Betrieb von Endlagern selbst verantwortlich. An beiden Standorten sind Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Betrieb. Zur Realisierung eines Endlagers für abgebrannte Brennelemente wurde das gemeinsame Unternehmen “Posiva Oy“ gegründet, an dem TVO 60% und Fortum 40% der Anteile halten.
Im Sommer 2010 wurde ein Grundsatzentscheid für den Bau des Kernkraftwerkes Olkiluoto 4 von der finnischen Regierung und dem Parlament genehmigt. Sollte bis Juni 2015 kein Baubewilligungsgesuch eingereicht werden, verfällt der Grundsatzentscheid und über den Bau des vierten Blocks muss neu verhandelt werden.
Der Import und Export von radioaktiven Abfällen ist verboten. Die Verantwortung für die radioaktiven Abfälle verbleibt bis zur Endlagerung bei den finnischen Energieversorgungsunternehmen, welche auch für die Konditionierung der radioaktiven Abfälle verantwortlich sind.

Gestuftes Vorgehen nach finnischem Kernenergiegesetz

Endlager ONKALO (Quelle: Posiva Oy / Ilmakuvat)
Hinsichtlich der Einrichtung eines Endlagers für hochradioaktive Abfälle sieht das finnische Kernenergiegesetz ein gestuftes Vorgehen vor. Die erste Entscheidung ist die politische Festlegung des Staatsrates, ein Endlager für radioaktive Abfälle in Finnland zu errichten. Für die anschließende Standortfindung legt das finnische Kernenergiegesetz die Einbindung der betroffenen Kommunen, regionalen und überregionalen Verwaltungen und Organisationen fest. Nach Vorlage der jeweiligen Stellungnahmen ist eine öffentliche Anhörung zu organisieren. Die dann abschließende Standortentscheidung des Staatsrates muss vom Parlament ratifiziert werden. Die endgültige Baugenehmigung sowie die Betriebserlaubnis werden dann wieder vom Staatsrat erteilt.

Bevölkerung unterstützt Standortentscheidung

Auf Grund eines Regierungsbeschlusses von 1983 wurden von 1986 bis 1992 erste Standorte untersucht. Die Untersuchungen betreffen zum Beispiel geologische Eigenschaften des Wirtsgesteins der potentiellen Standorte sowie die potentiellen Standorte betreffenden Umweltfaktoren.  Von diesen potentiellen Standorten wurden in den Jahren 1993 bis 2000 vier Standorte im Granit, darunter die beiden Kernkraftwerksstandorte, in unterschiedlichen Regionen Finnlands übertägig und mit verschiedenen Bohrungen von der Oberfläche detailliert erkundet. Nachdem sich alle diese Standorte als geeignet erwiesen, wählte Posiva Oy zur Minimierung der erforderlichen Transporte Olkiluoto aus. Mit großer Mehrheit unterstützten der Gemeinderat von Eurajoki (20 zu 7 Stimmen), in deren Gebiet Olkiluoto liegt, und die ansässige Bevölkerung, eine Umfrage ergab ca. 60 % Zustimmung, diese Entscheidung. Die Regierung billigte die Standortwahl im Dezember 2000 und legte eine maximale Kapazität von 4.000 t verbrauchtem Kernbrennstoff fest. Diese ist ausreichend für die vier in Betrieb befindlichen Kernkraftwerksblöcke über eine Betriebsdauer von 60 Jahren. Das Parlament ratifizierte diese Regierungsentscheidung im Mai 2001 mit 159:3 Stimmen nahezu einstimmig, auch mit Unterstützung durch die Mehrzahl der grünen Abgeordneten. Im Zuge der Regierungs- und Parlamentsentscheidung zum Bau des fünften Kernkraftwerks in Olkiluoto (Januar bzw. Mai 2002) wurde eine Erweiterung der Kapazität des Endlagers um den verbrauchten Brennstoff dieses Blockes gebilligt. Durch den Bau des Blocks 3 in Olkiluoto ist eine Erweiterung des Lagervolumens erforderlich. Ende 2014 sollte der Ausbau fertiggestellt werden. Mit Hilfe der Erweiterung werden die notwendigen Kapazitäten für den anfallenden Kernbrennstoff seitens der Betreiber zur Verfügung gestellt.
Der Antrag auf Erteilung einer Baugenehmigung für das Endlager wurde am 28.12.2012 bei der finnischen Regierung eingereicht und im November 2015 genehmigt, der Antrag auf Betriebsgenehmigung ist für 2020, die Aufnahme des Endlagerbetriebs für 2022 geplant.  Die finnische nukleare Sicherheitsbehörde STUK bestätigte dem finnischen Ministerium  für Wirtschaft und Arbeit gegenüber im Februar 2015 die Sicherheit des 2012 eingereichten Endlagerkonzepts. Im Rahmen der Stellungnahme wurden die eingereichten Dokumente auf die Konformität mit dem finnischen Kernenergiegesetz überprüft. Nach einer Stellungnahme des finnischen Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit und der Anhörung weiterer Interessenvertreter wird die finnische Regierung entscheiden, ob der Antrag auf Betriebsgenehmigung im Jahr 2020 gewährt wird. Die Errichtung der notwendigen Infrastruktur (Schächte und Rampe) für ein Untertagelabor am Standort (ONKALO) wurde im Jahr 2014 erfolgreich abgeschlossen.
Nach den aktuellen Planungen soll das Endlager dann bis 2112 betrieben werden und im Jahr 2120 langzeitsicher verschlossen sein. Das finnische Endlagerkonzept im Granit basiert auf dem schwedischen Konzept. Die Endlagerplanung wird in enger Kooperation mit den Schweden durchgeführt, so ähneln sich beispielsweise die Behälter- und Einlagerungskonzepte der beiden Länder stark. Von der positiven Einschätzung der STUK wird aufgrund der Ähnlichkeit der Einlagerungskonzepte auch Schweden profitieren können.
ONKALO ist die erste errichtete und aktuell einzige Anlage, die Gesteinsuntersuchungen lokal am Errichtungsstandort während des Ausbaus des Endlagers durchführt.  International werden die Gesteinsuntersuchungen nicht unmittelbar an den Standorten potentieller Endlagerstandorte durchgeführt. Als Beispiele dafür sind Mont Terri in der Schweiz, Bure in Frankreich und Äspö in Schweden zu nennen.
Zurzeit erfolgt die Vorbereitung auf ausführliche Tests, parallel wird am Förderturm gebaut. Diese Arbeiten sollen 2015 vollendet sein.

Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Betrieb

Für mittel- und schwachradioaktive Abfälle gibt es in Finnland zwei ähnlich aufgebaute Endlager, die sich an den Standorten der Kernkraftwerke in Olkiluoto und Loviisa befinden. In Olkiluoto wird seit 1992 und in Loviisa seit 1998 eingelagert. Die schwach- und mittelradioaktiven Gebinde werden aus einem Zwischenlager mit Spezialfahrzeugen über 300 m öffentliche Straße ins Endlager transportiert und dort über eine Rampe bis in eine Halle in 60 m Tiefe gefahren. Die Abfälle werden in zwei Lagersilos, je eines für schwach- und eines für mittelradioaktive Abfälle, herabgelassen. Die Silos haben einen Durchmesser von 24 m und eine Höhe von 34 m und werden nach dem Befüllen mit Betonplatten abgedeckt, deren Dicke sich nach der erforderlichen Abschirmung richtet. Insgesamt hat das Endlager eine Kapazität, die den gesamten radioaktiven Abfall in Finnland bis 60 Jahre nach Inbetriebnahme von Olkiluoto 3 aufnehmen kann.

Weiterführende Informationen finden Sie unter http//www.posiva.fi  

Stand: 10.11.2015