Ursprung in der ehemaligen DDR

Die Geschichte der Schachtanlage Bartensleben in Morsleben begann vor nahezu 100 Jahren: Seit 1918 wurden hier zunächst Kalisalze, später bis zum Ende der 1960er Jahre Steinsalz gefördert. Dabei entstanden insgesamt 7 Sohlen bis in eine Teufe von 520 m. Das hierbei nach und nach aufgefahrene Grubengebäude ist 5,6 km lang und bis zu 1,4 km breit. Die beiden Schächte Bartensleben und Marie verbinden das Grubengebäude mit der Oberfläche. Die beim bergmännischen Gewinnungsverfahren „Kammerbau ohne Versatz“ entstanden Hohlräume haben eine Länge von bis zu 120 m und eine Breite sowie Höhe von bis zu 40 m.

Nach Aufgabe der Salzförderung wurde das Bergwerk 1970 von den staatlichen Kernkraftwerksbetreibern der damaligen DDR gekauft. Hier beginnt die Geschichte des ERAM, des Endlagers für radioaktive Abfälle Morsleben, für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Nach den notwendigen Umbaumaßnahmen wurden 1978 die ersten Abfälle im Rahmen eines Versuchsbetriebes eingelagert. 1981 wurde dann der reguläre Einlagerungsbetrieb, zunächst auf 5 Jahre befristet, aufgenommen. 1986 erging die zeitlich unbefristete Dauerbetriebsgenehmigung vom „Staatlichen Amt für Atomsicherheit und Strahlenschutz“ (SAAS) der damaligen DDR. 

Wiedervereinigung: Wechsel in der Verantwortung

1990 ging mit der Wiedervereinigung die Verantwortung für das Endlager auf das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) über. Die Betriebsführung wurde mit dem Übergang des Endlagers in Bundeseigentum der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH (DBE) übertragen. 1991 untersagte das Bezirksgericht Magdeburg die weitere Einlagerung mit der Begründung, dass die nach §57a AtG (Überleitungsregelung aus Anlass der Herstellung der Einheit Deutschlands)  bis zum 30.06.2000 fortgeltende Dauerbetriebsgenehmigung der ehemaligen DDR nicht auf das BfS übergegangen sei. Noch im gleichen Jahr folgten umfangreiche Sicherheitsüberprüfungen unter der Federführung der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit mbH (GRS). Am 13.10.1992 stellte das BfS bei der zuständigen Planfeststellungsbehörde, dem heutigen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, einen Antrag auf Weiterbetrieb des ERAM über den 30.06.2000 hinaus. Schließlich wurde nach Änderung der Fahrzeugtechnik und der Abfallgebinde 1994 die Einlagerung der Abfälle auf dem aktuellen Stand der Technik wieder aufgenommen. Die zuvor praktizierte Endlagerung von flüssigen Abfällen wurde nicht wieder aufgenommen.

Ende der Einlagerung

1998 wurde gegen die Einlagerung von radioaktiven Abfällen im Ostfeld des Grubengebäudes Klage durch den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Sachsen-Anhalt, erhoben. Zur Klagebegründung hieß es, die Einlagerung von radioaktiven Abfällen im Ostfeld sei nicht durch die geltende Dauerbetriebsgenehmigung abgedeckt. Per einstweiliger Verfügung untersagte das Oberverwaltungsgericht Magdeburg die weitere Einlagerung in diesem Bereich. Das BfS beendete daraufhin am 25. September 1998 die Einlagerung im ERAM. Bis dahin wurden 36.754 m³ radioaktive Abfälle und 6.621 umschlossene Strahlenquellen mit einer Gesamtaktivität von 3,8 x 1014Becquerel (Beta- und Gamma-Strahler) im ERAM eingelagert. Am 12. April 2001 erklärte das BfS den kompletten Verzicht auf eine weitere Einlagerung von Abfällen im ERAM. Das Klageverfahren wurde daraufhin vom OVG Magdeburg am 26. Februar 2002 ohne Entscheidung in der Sache niedergeschlagen. Mit der Novellierung des AtG vom 22. April 2002 wurde dieser Situation Rechnung getragen und eine weitere Einlagerung ist nach §57a AtG nicht mehr zulässig. Seitdem wird das Bergwerk offen gehalten und für die endgültige Stilllegung vorbereitet.

Präventivmaßnahmen zur Stabilisierung des Grubengebäudes

Geotechnische Messdaten ließen auf eine Beeinträchtigung der Gebirgsstabilität im Südfeld schließen. Daher wurde im November 2000 mit der Verfüllung der Resthohlräume der Abbaue 1 und 2 im Südfeld als atomrechtliche Gefahrenabwehrmaßnahme begonnen. Ebenso wurde zur Stabilisierung des Grubengebäudes im Zentralteil seit Oktober 2003 die Verfüllung von insgesamt 27 großen Hohlräumen mit Salzbeton in Angriff genommen (bergbauliche Gefahrenabwehr im Zentralteil, bGZ). Bis Februar 2011 wurden so 935.000 m³ Hohlraumvolumen versetzt. Die 4. Sohle, hier sind die Abfälle eingelagert worden, wurde bisher nicht verfüllt, da dies Teil des Planfeststellungsverfahrens zur Stilllegung ist. Hier dürfen aufgrund des noch nicht abgeschlossenen Genehmigungsverfahrens keine Maßnahmen durchgeführt werden.

Planfeststellungsverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit

Am 12. September 2005 reichte das BfS die Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren zur Stilllegung bei der zuständigen Behörde des Landes Sachsen-Anhalt, dem Landwirtschafts- und Umweltministerium des Landes, ein. Die Öffentlichkeitsbeteiligung fand vom 22. Oktober bis zum 21. Dezember 2009 statt. Ende 2011 fand ein Erörterungstermin zum Schließungskonzept statt. Mit den Verschlussmaßnahmen im Rahmen der endgültigen Stilllegung wird voraussichtlich nach dem Planfeststellungsbeschluss ab ca. 2025 begonnen.