Ergebnisoffene Bewertung aller Fakten nach dem Stand von Wissenschaft und Technik

Seit Oktober 2010 werden nach einer 10-jährigen, politisch bedingten Unterbrechung die Erkundungsarbeiten am Standort Gorleben fortgesetzt. Parallel dazu wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) eine „vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben“ (VSG) unter Federführung der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Köln in Auftrag gegeben. Diese soll eine Bewertung erarbeiten, ob und ggf. unter welchen Randbedingungen eine sichere Endlagerung von hochradioaktiven (sogenannten wärmeentwickelnden) Abfällen am Standort Gorleben möglich ist.

Grundlagen für die wissenschaftlichen Arbeiten in der VSG sind:

  • Die Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung  wärmeentwickelnder radioaktiver  Abfälle des BMU  vom September 2010
  • Die bisher verfügbaren und aktuell im Rahmen der Erkundung  ermittelten Daten für den Standort Gorleben, d.h. die geowissenschaftliche Standortbeschreibung und die Langzeitprognose
  • Alle für ein Endlager für wärmeentwickelnde Abfälle erwarteten relevanten Abfälle, dazu gehören als maßgeblicher Abfallstrom abgebrannte Brennelemente aus Leistungs- und Forschungsreaktoren und Abfälle aus der Wiederaufarbeitung von Brennelementen

Auf dieser Grundlage wird ein Sicherheits- und Nachweiskonzept erarbeitet, welches darstellt, wie durch Ausnutzung der Standortgeologie und weiterer technischer Maßnahmen (geotechnische Barrieren) eine langfristig sichere Endlagerung für 1 Mio. Jahre gewährleistet werden kann. Dabei wird der Nachweis einer sogenannten „Nullemission“ (vollständiger Einschluss) angestrebt. Dieser Zustand ist dann gegeben, wenn im Betrachtungszeitraum kein durchgängiger Lösungspfad von den Abfällen an die Biosphäre zu erwarten ist. Allenfalls sehr geringfügige Freisetzungen von Radionukliden, die einen Bruchteil der natürlichen Strahlenbelastung ausmachen, werden akzeptiert.   

Unter Berücksichtigung einer Vielzahl weiterer Parameter, dazu gehören u.a. langfristig wahrscheinliche Szenarien (z.B. Eiszeiten) sowie der Einfluss von Kohlenwasserstoffen im Salzstock, werden die Ergebnisse schließlich zusammenfassend bewertet und eine vorläufige Eignungsprognose abgegeben. Die entscheidende Fragestellung ist: werden die hohen Schutzziele, die in den BMU-Sicherheitsanforderungen gefordert werden, nach dem heutigen Kenntnisstand und mit einer hohen Zuverlässigkeit der Aussagesicherheit eingehalten?

Die Ergebnisse der VSG ersetzen nicht die Sicherheitsanalysen des Antragsstellers, die zur Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens erforderlich sind. Diese erfordern u.a. eine größere Datenbasis, die mit den aktuell laufenden Erkundungsarbeiten am Standort Gorleben erst geschaffen werden, und ein optimiertes Endlagerkonzept, das auf Basis der VSG erarbeitet wird.

Aufgrund des erforderlichen Fachwissens sind an der Bearbeitung der VSG eine Vielzahl von wissenschaftlichen Einrichtungen beteiligt. Dazu gehören neben der GRS die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die DBE Technology GmbH, das Institut für Gebirgsmechanik (IfG), das Institut für Sicherheitstechnologie (ISTec), das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die nuclear safety engineering international (nse) GmbH und die TU Clausthal.

Die VSG soll Ende 2012 abgeschlossen werden. Danach wird ein internationales Expertenteam im Rahmen eines Peer-Reviews überprüfen, ob die Arbeiten der VSG dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen und ob die Ergebnisse plausibel und nachvollziehbar sind.

Stand: 14.11.2011