• Andere Länder, z.B. Frankreich, behandeln abgebrannte Brennelemente in Wiederaufarbeitungsanlagen, um daraus neuen Brennstoff für Kernkraftwerke zu produzieren. Wieso sollen in Deutschland die abgebrannten Brennelemente direkt endgelagert werden?

    Die Abgabe von aus dem Betrieb von Kernkraftwerken stammenden abgebrannten Brennelementen zur schadlosen Verwertung an eine Anlage zur Wiederaufarbeitung ist seit dem 1. Juli 2005 gesetzlich unzulässig. Dies wurde in § 9a Abs. 1 des Atomgesetzes (AtG) geregelt. Seitdem ist die Wiederaufarbeitung von aus deutschen Kernkraftwerken stammenden abgebrannten Brennelementen nicht mehr möglich. Zuvor wurden abgebrannte Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken zu der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague bzw. zur britischen Anlage in Sellafield transportiert.
  • Bringt eine mögliche Rückholung von hochradioaktiven Abfällen auch nach dem Ende der Betriebsphase sicherheitstechnische Vorteile?

    Das Ziel der Endlagerung von radioaktiven Abfällen in tiefen geologischen Formationen ist, die Abfälle langfristig sicher einzulagern und Schadstoffe damit dauerhaft von Stoffkreisläufen der Biosphäre zu isolieren. Die Langzeitsicherheit eines Endlagers ist dabei durch gestaffelte passive Sicherheitsbarrieren zu gewährleisten, damit künftigen Generationen keine unangemessenen Belastungen aufgebürdet werden („Nachsorgefreiheit“). Eine langfristige Rückholungsmöglichkeit widerspricht der internationalen Definition der „Endlagerung“ als Anlage zur langfristig wartungsfreien, zeitlich unbefristeten Lagerung von radioaktiven Abfällen ohne beabsichtigte Rückholung.. Nach der Betriebsphase sollte ein Endlager seinen endgültigen, passiv sicheren Zustand so früh wie möglich erreichen, um die Nachsorgefreiheit zu gewährleisten. Eine dauerhafte Rückholungsoption würde das Sicherheitsniveau des Endlagers verringern. Bei einem geeignetem Standort und daran angepasstem Endlagerkonzept ist die langfristige Isolation der Schadstoffe im Wirtsgestein sichergestellt.
  • Die „Gorlebener Rinne“ zeigt Spuren der letzten Eiszeit über dem Salzstock. Zeigt dies nicht, dass der Standort nicht sicher sein kann?

    Das den Salzstock Gorleben überlagernde Deckgebirge des Tertiär und Quartär besteht aus Kiesen, Sanden, Tonen und Schluffen. Prägend für das Deckgebirge ist die „Gorlebener Rinne“, die während der Vergletscherung Norddeutschlands während der Elster-Eiszeit, etwa vor 400.000 Jahren, entstand. Das Vorhandensein einer Gletschereinwirkung über einem Salzstock ist keine Besonderheit im norddeutschen Raum und muss daher in Langzeitsicherheitsbetrachtungen für das Endlager als gegeben unterstellt werden, da bei zukünftigen klimatischen Entwicklungen weitere Eiszeiten, und damit Gletscherbildungen, nicht ausgeschlossen werden können.
  • Es heißt, die Tonschicht im Deckgebirge über dem Salzstock Gorleben ist nicht durchgängig. Wieso wird der Salzstock trotzdem weiter als mögliches Endlager erkundet?

    Zur langfristigen Isolation der Abfälle von der Biosphäre, d.h. unserem Lebensraum, werden natürliche und technische Barrieren genutzt. In diesem Mehr- oder Multibarrierensystem stellen die unterschiedlichen Einzelbarrieren die Isolation der Abfälle sicher. Technische Barrieren sind beispielsweise die Art der Abfallbehandlung, die Verpackung (Endlagerbehälter) oder die Einlagerungs- und Verfülltechnik. Die natürliche Barriere für die radioaktiven Abfälle bildet der sogenannte „einschlusswirksame Gebirgsbereich“ (ewG). Nach den Sicherheitsanforderungen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) vom September 2010 müssen die radioaktiven Abfälle im ewG, im Falle Gorleben Salzgestein, konzentriert und zurückgehalten werden. Der Tonschicht im Deckgebirge kommt somit keine sicherheitstechnisch relevante Barrierenfunktion zu.
  • Gibt es weltweit wirklich noch kein Endlager für hochradioaktive Abfälle?

    Die internationalen Programme zur Realisierung von Endlagern für hochradioaktive Abfälle aus Kernkraftwerken sind unterschiedlich weit fortgeschritten. In Finnland ist die Standortentscheidung auf Olkiluoto gefallen. Zurzeit wird das Grubengebäude aufgefahren, das Endlager soll 2020 in Betrieb gehen. In Schweden soll das Endlager Forsmark 2025 in Betrieb gehen. In Frankreich ist eine Standortentscheidung in der Region um Bure für 2015 geplant.In den USA ist mit dem Endlager WIPP (Waste Isolation Pilot Plant) das erste Endlager für langlebige, nicht wärmeentwickelnde Abfälle aus der Kernwaffenproduktion realisiert worden. Es befindet sich bereits seit 1999 in Betrieb und liegt in Carlsbad, New Mexico.
  • Hat die Situation im Salzbergwerk Asse nicht gezeigt, dass man in einem Salzstock radioaktive Abfälle nicht sicher und dauerhaft lagern kann?

    Die Situation in der Asse ist nicht mit einer Endlagerung von Abfällen in einem Endlager im Salz zu vergleichen, das ausschließlich zu diesem Zweck aufgefahren wurde. Die Asse ist ein ehemaliges Gewinnungsbergwerk, in dem durch den Salzabbau große Hohlräume (mehrere Millionen Kubikmeter) geschaffen wurden. Das Salz wurde teilweise bis wenige Meter an das Deckgebirge heran abgebaut. Die Hohlräume wurden im Anschluss an den Abbau nicht sofort verfüllt. Bei der Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen wird ein unverritzter Salzstock genutzt, in den lediglich die Strecken aufgefahren würden, die für die Einlagerung von Abfällen genutzt werden sollen. Unmittelbar danach würden die Einlagerungshohlräume mit Salzgrus verfüllt.
  • In Gorleben wurde ein Salzstock auf Eignung als Endlager für hochradioaktive Abfälle erkundet. Wieso verfolgt man nicht, wie in anderen Ländern, auch eine Endlagerung im Ton?

    Steinsalz-Lagerstätten sind in Deutschland in großer Zahl vorhanden. Die geologischen, bergmännischen und technischen Erfahrungen, die in mehr als einem Jahrhundert im Salzbergbau in Deutschland gewonnen wurden, können für die Endlagerung genutzt werden. Keine andere geeignete Gesteinsart ist so gut erforscht. Steinsalz verhält sich bei Druck plastisch, so dass das Auftreten von zusammenhängenden Klüften und Spalten weitgehend verhindert wird. Falls doch Risse entstehen, so „heilen“ diese schnell wieder aus. Weil Steinsalz Wärme besser leitet als Ton, können Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle hier besser eingelagert werden, da die Ableitung der Nachzerfallswärme begünstigt wird. Dadurch ist der Flächenbedarf eines Endlagers im Steinsalz deutlich geringer als in anderen Wirtsgesteinen. In den vergangenen Jahrzehnten wurden wesentliche Grundlagen für die Berechnung der Standfestigkeit, der Auslegung der geotechnischen Komponenten eines Endlagers, Deformations- und Spannungsmessungen sowie geophysikalische Messungen zur Erfassung der gebirgsmechanischen Situation auch im Rahmen der Erkundung des Salzstocks Gorleben durchgeführt. Die dabei gewonnenen positiven Ergebnisse haben die Entscheidung, in Deutschland radioaktive Abfälle in einem Salzstock endzulagern, bestätigt. Grundsätzlich ist eine Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen auch im Ton möglich. Im Hinblick auf die Nutzung von Ton als Wirtsgestein für wärmeentwickelnde Abfälle wäre allerdings noch ein erheblicher Forschungsbedarf notwendig.
  • Salz ist doch wasserlöslich. Kann man daher überhaupt die sichere Einlagerung radioaktiver Abfälle in einem Salzstock gewährleisten?

    Steinsalz-Lagerstätten haben sich über Millionen von Jahren als äußerst beständig erwiesen, obwohl die Evaporitminerale wasserlöslich sind. Die meisten Vorkommen in Deutschland wurden im Zechstein gebildet und sind über 240 Millionen Jahre alt. Trotz tief greifender geologischer Veränderungen im Umfeld, wie die Überflutung des norddeutschen Beckens, der Aufstieg der Alpen oder die Eiszeiten, ist das Steinsalz im Innern des Salzstocks seit seiner Entstehung chemisch praktisch unverändert.
  • Wem gehören eigentlich die radioaktiven Abfälle?

    Radioaktive Abfälle befinden sich so lange in der Verantwortung (d.h. im Eigentum) der Abfallverursacher, bis diese an ein Endlager abgegeben werden. Vor der Annahme werden die Abfälle auf Einhaltung der jeweiligen Endlagerungsbedingungen überprüft. Erst danach gehen die Abfälle in das Eigentum des Betreibers des Endlagers, des Bundes, über. Die Kosten für die Endlagerung der radioaktiven Abfälle haben die Abfallverursacher zu übernehmen. Dies ist im Atomgesetz (AtG) und in der Endlager-Vorausleistungsverordnung (EndlagerVlV) geregelt.
  • Wer ist für die radioaktiven Abfälle in der Asse verantwortlich?

    Die Einlagerung von radioaktiven Abfällen in der Asse fand in 1960er und 1970er Jahren durch den damaligen Betreiber der Schachtanlage, der Gesellschaft für Strahlenforschung, statt. Diese kaufte das ehemalige Salzbergwerk 1965 im Auftrag des Bundes für Forschungszwecke. Für die Einlagerung wurden vom Bund Annahmegebühren von den Abfallverursachern erhoben. Mit der Einlagerung sind die Abfälle in das Eigentum des Bundes übergegangen. Die Abfälle stammten aus den Forschungszentren Karlsruhe und Jülich (ca. 50% bzw. ca. 10%), und aus deutschen Kernkraftwerken (ca. 20%). Die verbleibenden ca. 20% waren Abfallgebinde von Landessammelstellen und aus der kerntechnischen Industrie.
  • Wer zahlt für die Endlagerung von radioaktiven Abfällen?

    Die Endlagerung von radioaktiven Abfällen wird von den jeweiligen Abfallverursachern bezahlt. Dies ist im Atomgesetz (AtG) und in der Endlagervorausleistungsverordnung (EndlagerVlV) geregelt. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.
  • Wieso lagert man radioaktive Abfälle nicht dauerhaft an der Oberfläche?

    Das Ziel der Endlagerung von radioaktiven Abfällen in tiefen geologischen Formationen ist, die Abfälle langfristig sicher einzulagern und Schadstoffe damit dauerhaft von Stoffkreisläufen der Biosphäre zu isolieren. Durch eine langfristige Zwischenlagerung können diese Ziele nicht erreicht werden.  Zunächst sollen mit der der langfristigen, schadlosen Entsorgung von hochradioaktiven Abfällen nicht die Generationen belastet werden, die von der Kernenergie gar nicht mehr profitiert haben. Die Abfälle müssten dann nämlich über lange Zeiträume mit entsprechenden technischen, organisatorischen sowie Safeguards-Maßnahmen gesichert werden. Grundsätzlich besteht auch in Deutschland die Gefahr von gravierenden, gesellschaftlichen Veränderungen (z.B. Kriege, Wirtschaftskrisen), bei denen das gesellschaftliche Interesse an den Abfällen und deren Verbleib nicht gesichert ist.
  • Belegt die Durchführung der „Vorläufigen Sicherheitsanalyse Gorleben“ (VSG) nicht, dass sich die Bundesregierung schon auf den Standort festgelegt hat?

    Die „Vorläufige Sicherheitssanalyse Gorleben“ soll eine Bewertung erarbeiten, ob und ggf. unter welchen Randbedingungen eine sichere Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen am Standort Gorleben möglich ist. Die Ergebnisse der VSG ersetzen nicht die Sicherheitsanalysen des Antragsstellers, die zur Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens erforderlich sind. Diese erfordern u.a. eine größere Datenbasis, die mit den aktuell laufenden Erkundungsarbeiten am Standort Gorleben erst geschaffen werden, und ein optimiertes Endlagerkonzept, das auf Basis der VSG erarbeitet wird. Mit der VSG besteht die Möglichkeit, nach mehr als 30 Jahren auf Basis einer wissenschaftlichen Analyse am Standort Gorleben Klarheit über eine mögliche Eignung bzw. Nichteignung des Standorts zu erhalten.