Anbohren von Kammern im Rahmen einer Faktenerhebung

Nach der Durchführung eines Optionenvergleichs in 2009 hatte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vorgeschlagen, die radioaktiven Abfälle aus dem Bergwerk rückzuholen. Zu diesem Zweck ist geplant, im Rahmen einer "Faktenerhebung" zwei Kammern (7/750 und 12/750) mit radioaktiven Abfällen anzubohren, um Erkenntnisse über den Zustand der Kammern und der Abfallgebinde, eine radioaktive Belastung der Kammerluft und über das mögliche Vorhandensein von Laugen zu gewinnen. Dazu hat das BfS zunächst die notwendige Bohrausrüstung im Rahmen einer "Kalterprobung" getestet und optimiert. Die notwendige Genehmigung für das Anbohren der Kammern nach § 9 des Atomgesetzes (AtG), die vom BfS im November 2010 beantragt wurde, ist vom zuständigen niedersächsischen Umweltministerium mit 32 Auflagen am 21. April 2011 erteilt worden. Das BfS hatte ursprünglich geplant, mit dem Anbohren die Kammer 7/750 Anfang November 2011 zu beginnen. Nach dem Anbohren ist geplant, die beiden Kammern zu öffnen und Gebinde testweise zu bergen. Jedoch kam es bei den Bohrarbeiten immer wieder zu zeitlichen Verzögerungen, die der Umsetzung von Auflagen oder Komplikationen während des Bohrbetriebs geschuldet waren. Insbesondere eine unzureichende Dokumentation der Lage und der Ausmaße der Kammer sowie die Bewegung des Bergwerks erschwerten die Lokalisierung der anzubohrenden Bereiche. Die ersten zwei Bohrungen (Beginn 01.06.12 und 30.04.13) waren auf die Kammer, die dritte (Beginn 12.02.14) auf die Firste gerichtet.

Nach diesen drei abgeschlossenen Bohrungen an der Einlagerungskammer 7 wurden die Ergebnisse wie folgt zusammengefasst:

  • Die Messungen in den Bohrlöchern ergaben, dass bislang nicht von einer Explosionsgefahr durch entstandene Gase ausgegangen werden muss.
  • Die Radioaktivitätswerte sowohl in Kammer 7 als auch in deren Umgebung stellen keine Gefährdung für die Rückholung dar.
  • Mit Hilfe von Radarmessungen in den Bohrlöchern gelang es, die genaue Lage des Verschlussbauwerks, der Kammerdecke und der Wände zu bestimmen.

Zur Lokalisierung und Bewertung von durch Gebirgsbewegungen hervorgerufenen Schäden in der Kammerdecke hat die Asse-GmbH am 31. Oktober 2014 mit der vierten Bohrung an der Einlagerungskammer 7 begonnen. Das Messprogramm wurde im Februar 2015 abgeschlossen. Im April 2015 wurde mit der Einrichtung eines fünften Bohrorts, mit dessen Hilfe ebenfalls die Schäden in der Kammerdecke untersucht werden sollen, begonnen. Zusammen mit der dritten Bohrung und eventuell weiteren Bohrungen soll eine Aussage über den Zustand der Kammerschwebe getroffen werden.

Pläne zum Abteufen eines weiteren Schachts

Da das Grubengebäude zurzeit nur über einen vollwertigen Schacht (Schacht 2) mit der Oberfläche verbunden ist, plant das BfS einen weiteren Schacht (Schacht 5) abzuteufen. Über diesen würden die Transporte der zurückgeholten radioaktiven Abfälle an die Oberfläche erfolgen, um sie in ein noch zu errichtendes Zwischenlager zu überführen. Für den Schacht 5 wurde ein möglicher Standort identifiziert, der im Bereich des standsicheren Steinsalzes liegt. Der Schachtansatzpunkt läge dabei in einem Naturschutzgebiet in der Nähe der bestehenden übertägigen Anlagen. Die Planungen des BfS umfassen 5 Bohrungen (eine vertikale von über Tage, 4 horizontale vom bestehenden Grubengebäude aus), um den Standort näher zu erkunden. Von besonderer Relevanz ist  hierbei die Klärung von Fragen bezüglich des Vorhandenseins einer ausreichend mächtigen Salzbarriere und des Ausschlusses von lösungs- und gasführenden Horizonten.

Die im Juni 2013 von über Tage begonnene Erkundungsbohrung Remlingen 15, zur Erkundung des geplanten neuen Schachts 5, hat nach einer durch Komplikationen bei den Bohrarbeiten bedingten Unterbrechung ihre Endteufe von 900 m Mitte April 2014 erreicht. Bis Anfang Juli 2014 wurde ein umfangreiches Messprogramm mit Georadarsondierung durchgeführt. Seit Abschluss der Untersuchungen befindet sich die Bohranlage im Rückbau.

Die vier horizontalen Erkundungsbohrungen sollen von zwei unterschiedlichen Teufenlagen des bestehenden Bergwerks aus erfolgen. Die erste der zwei von der 574-m-Sohle ausgehenden Erkundungsbohrungen erreichte ihre Endlänge von rd. 370 m Mitte Februar 2015. Es werden ein umfangreiches Messprogramm und Vorbereitungen für den zweiten Bohrstandort durchgeführt. Auf der 700-m-Sohle werden parallel dazu vorbereitende Maßnahmen für die zwei weiteren Erkundungsbohrungen getroffen.

Die Untersuchungen werden u.a. durch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) fachlich begleitet. Am 17.05.2015 wurde in einem Artikel der „Welt am Sonntag“ bekannt, dass laut der BGR Zweifel hinsichtlich der Eignung des erkundeten Standorts bestehen. Hintergrund ist, dass bei den Erkundungsarbeiten andere als die erwarteten geologischen Verhältnisse angetroffen wurden. Das BfS widerspricht der Auffassung der BGR und weist darauf hin, dass für eine Eignungsaussage weitere umfangreiche Untersuchungen erforderlich sind. Außerdem ist laut dem BfS für eine abschließende Beurteilung des geplanten Schachtstandorts eine Gesamtbetrachtung vorgesehen, die neben der Bewertung seitens der BGR auch andere Untersuchungsergebnisse berücksichtigt. Weiterführende Informationen finden sie hier.

Standortsuche für Zwischenlager

Für die Rückholung der radioaktiven Abfälle ist ein übertägiges Zwischenlager erforderlich, um dort die geborgenen Abfälle aufzubewahren, bis sie an ein geeignetes Endlager abgeben werden können.

Für den Transport der Abfälle nach über Tage sollen Sicherheitscontainer benutzt werden. Diese sollen in ein Pufferlager transportiert werden bevor sie in einer Konditionierungsanlage endlagergerecht verpackt und anschließend ins Zwischenlager gebracht werden könnten.

Für die genannten Anlagen muss das BfS einen geeigneten Standort finden. Das BfS kam nach Abwägung verschiedener Faktoren zu dem Schluss, dass vorrangig nach Zwischenlagerstandorten im näheren Umfeld der Schachtanlage gesucht werden soll, die direkt an das Betriebsgelände angebunden werden können.

Hieraus resultierende Vorteile aus Sicht des BfS sind u.a. eine Minimierung der Strahlenbelastung für Beschäftigte und Bevölkerung, da die Transportwege zwischen der Schachtanlage Asse und dem Zwischenlager reduziert würden. Da somit ein Transport auf öffentlichen Straßen umgangen würde, bedarf es keiner hierfür anforderungsgerechten Verpackung der rückgeholten Abfälle. Auf diese Weise könnte eine zusätzliche aus dem Verpacken sowie dem Be- und Entladen geschuldete Strahlenbelastung der Beschäftigten vermieden werden.

Gleichzeitig entfielen aufwändige Genehmigungsverfahren für Transporte und den Umgang mit radioaktiven Stoffen auf öffentlichen Straßen, was zu einem Zeitgewinn führen könnte.

 

Stand: 18.05.2015