Salzbergbau seit der Jahrhundertwende

Das ehemalige Salzbergwerk Asse liegt zehn Kilometer südöstlich vom niedersächsischen Wolfenbüttel. Hier wurden zwischen 1909 und 1964 in drei Baufeldern insgesamt fast fünf Millionen Kubikmeter Kali- und Steinsalz abgebaut. 1965 kaufte die Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) im Auftrag des Bundes die Anlage.Das damalige Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung und Technologie beauftragte die GSF, hier Einlagerungstechniken zur Endlagerung radioaktiver Abfälle (umgangssprachlich auch Atommüll genannt) zu erforschen.

Einlagerung von radioaktiven Abfällen

1967 begann die Versuchseinlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen. Verschiedene Einlagerungstechniken wurden demonstriert. Dazu gehörte beispielsweise das Stapeln von Fässern in Einlagerungskammern oder das Verstürzen und abschließende Abdecken mit Salzgrus, um die Strahlenbelastung der Mitarbeiter zu minimieren. Von 1971 an wurde in der Asse ein Großteil der schwach- und mittelradioaktiven Abfälle der Bundesrepublik eingelagert. Bis zum Ende der Einlagerung im Jahr 1978 wurden insgesamt ca. 126.000 Abfallgebinde in insgesamt 13 alte Abbaukammern in ca. 750 m Tiefe eingebracht. Mittelradioaktive Abfälle wurden von 1972 bis 1977 in eine Kammer auf der 511-m-Sohle eingelagert.Die Abfälle stammten aus den Forschungszentren Karlsruhe und Jülich (ca. 50% bzw. ca. 10 %), und aus deutschen Kernkraftwerken (ca. 20%). Die verbleibenden ca. 20% waren Abfallgebinde von Landessammelstellen und aus der kerntechnischen Industrie.

Nutzung der Asse als Forschungsbergwerk

Die Einlagerung radioaktiver Abfälle endete 1978. Danach wurde noch bis 1995 eine Vielzahl von Forschungsarbeiten, z.B. zu Einlagerungsmethoden für wärmeentwickelnde Abfälle oder zur Entwicklung und Erprobung von Verschlüssen für Bohrlöcher, Strecken und Schächten durchgeführt.

Stabilisierungsmaßnahmen nach Lösungszutritt

Im August 1988 wurde während einer routinemäßigen Befahrung ein Salzlösungszutritt in das Grubengebäude entdeckt. Der Zutritt beträgt aktuell ca. 12 m³ pro Tag. Er befindet sich in der Südflanke in einer Teufe von etwa 500 bis 575 m. Dieser ist durch den hohen Durchbauungsgrad des Gewinnungsbergwerks, es wurde bis wenige Meter an die Grenze zum Deckgebirge hin Salz abgebaut, und den daraus entstehenden Konvergenzen und Wegsamkeiten begründet. Von 1995 bis 2004 wurden von der GSF etwa 2,2 Millionen Kubikmeter Salzgrus zur Stabilisierung in das Bergwerk eingebracht.

Geplante Rückholung der Abfälle durch das BfS

Seit dem 1. Januar 2009 ist das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Betreiber der Schachtanlage Asse unter Atomrecht. Gemäß der Novelle des Atomgesetzes vom März 2009 ist die Asse schnellstmöglich stillzulegen. Das BfS prüft zurzeit die Möglichkeit der Rückholung aller Abfälle (sog. Faktenerhebung). Die technische Machbarkeit sowie die sicherheitstechnische Notwendigkeit einer solchen Rückholung werden kontrovers diskutiert. Wesentliche Kritikpunkte an den vom BfS beauftragen Machbarkeitsstudien zur Rückholung fasst eine Stellungnahme der Entsorgungskommission des BMU (ESK) zusammen.

Stand: 14.11.2011