Umfangreiche Vorbereitungen vor Betriebsaufnahme
Beraubefahrzeug zur Streckensicherung

Die Schachtanlage Konrad befand sich nach dem Ende des Gewinnungsbetriebs 1976 über 30 Jahre im „Offenhaltungsbetrieb“. Um das Bergwerk entsprechend den Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses auf seine neue Bestimmung als Endlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung vorzubereiten, werden zurzeit umfangreiche Planungs-, Bau- sowie Umbaumaßnahmen durchgeführt. Die Arbeiten finden dabei an den Tagesanlagen von Schacht 1 und 2, beiden Schachtröhren und im untertägigen Grubengebäude statt. Parallel hierzu müssen die Vorgaben der über 500 Nebenbestimmungen des Planfeststellungsbeschlusses umgesetzt und die teilweise über 20 Jahre alten Ausführungsplanungen teilweise aktualisiert werden. Mit den Umbaumaßnahmen ist die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH (DBE) vom Bauherrn, dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), beauftragt.

Personen- und Materialtransport über Schacht 1
Auffahrung einer Einlagerungsstrecke

Schacht 1, der einziehende Wetterschacht, dient dem Transport von Personal, Material und Haufwerk aus dem Streckenvortrieb, d.h. in diesem Anlagenteil werden auch beim späteren Einlagerungsbetrieb keine radioaktiven Abfälle gehandhabt. Die alten Tagesanlagen müssen zum größten Teil abgebrochen werden, ein Verwaltungs- und Sozialgebäude, eine Werkstatt und ein Materialwirtschaftsgebäude werden neu errichtet. Der Förderturm, ein Doppelstrebengerüst, das seit langem als Wahrzeichen für die Schachtanlage Konrad steht, steht unter Denkmalschutz und bleibt erhalten. Er wurde 1960 erbaut und stellt das letzte noch erhaltene Fördergerüst aus der späten Blütezeit des Erzbergbaus in der Gegend um Salzgitter dar. Es handelt sich zugleich um das einzige Doppelbock-Fördergerüst in ganz Niedersachsen. Es wird für die weitere Verwendung saniert und modernisiert. Im Schacht 1 werden zwei Förderanlagen installiert, die eine Kapazität von 15 t (Hauptförderanlage, 2-Seil-Koepefördermaschine mit Gegengewicht) und 7,5 t (Trommelfördermaschine) besitzen. Für die jeweiligen Antriebe werden zwei Fördermaschinengebäude südlich sowie nördlich des Förderturms in „Fluraufstellung“, d.h. auf Bodenniveau, erbaut. Bei den notwendigen Umbaumaßnahmen der Schachtröhre zur Führung der Förderkörbe (Stahlspurlatten) werden darüber hinaus die Anschläge, d.h. die Haltepunkte, auf der 1.000-m-, 1.100-m- sowie der 1.200-m-Sohle entsprechend umgebaut.

Abfalltransporte über Schacht 2

Schacht 2, der ca. 1,5 km südöstlich von Schacht 1 liegt, ist der ausziehende Wetterschacht und dient als Einlagerungsschacht für die radioaktiven Abfälle. Hier werden daher alle für die Anlieferung und Einlagerung der Abfälle notwendigen Anlagenteile errichtet. Dazu gehören im Wesentlichen die Umladehalle, in der die Eingangskontrolle der radioaktiven Abfälle stattfindet, und die angeschlossene Pufferhalle, die zur Optimierung der Einlagerungslogistik dient. Weiterhin ist der Neubau eines 40 m hohen Förderturms und eines Diffusors zur Ventilation der Grubenluft notwendig. Die Hauptfördermaschine befindet sich im Gegensatz zu Schacht 1 nicht in Fluraufstellung, sondern wird auf dem Förderturm installiert. Es handelt sich hierbei um eine Koepe-Fördermaschine mit 8 Seilen und einer Kapazität von 25 t. Daneben wird eine weitere, kleinere 1-Seil-Trommelmaschine installiert. Auch hier müssen in der Schachtröhre neben der Installation der neuen Schachteinbauten die Anschläge auf der 800-m-, 850-m- und 1.000-m-Sohle für die neuen Anforderungen umgebaut werden.

Die Anlieferung der Endlagergebinde wird überwiegend per Bahn, aber auch per LKW erfolgen. Hierzu ist der Bau der entsprechenden Straßen bzw. Schienen zur Anbindung an die vorhandene verkehrstechnische Infrastruktur erforderlich.

Auch Vorbereitungen unter Tage laufen bereits

Für den geplanten Endlagerbetrieb im Grubengebäude sind mehrere Dutzend Spezialfahrzeuge und weitere maschinelle Einrichtungen notwendig. Dazu gehören beispielsweise Transportwagen, Stapelfahrzeuge, Schleuderversatzfahrzeuge, Ankerbohrwagen, Muldenkipper oder auch ein Portalhubkran. All diese Betriebsmittel müssen, da sie größenbedingt nicht „am Stück“ nach unter Tage transportiert werden können, an der Tagesoberfläche zerlegt, in Einzelteilen nach unter Tage gefördert und dort wieder montiert werden. Daneben werden in den untertägigen Strecken Versorgungsleitungen unter der Firste, d.h. der Decke der Tunnel, auf Kabeltragkonstruktionen verlegt. Weitere Strecken werden mit Teilschnittmaschinen erstellt. Dazu gehört auch die Fertigstellung einer ersten Einlagerungskammer, in die nach aktuellen DBE-Berechnungen 2022 erstmals Abfälle eingelagert werden sollen. Alle weiteren Einlagerungskammern werden vorlaufend vor der Einlagerung von Abfällen sukzessive neu erstellt. Die Hohlräume aus der Zeit des Erzbergbaus werden für die Endlagerung nicht genutzt.

Das BfS veröffentlicht auf seiner Projektwebseite www.endlager-konrad.de einen wöchentlich aktualisierten Stand der Umbauarbeiten.

Stand: 15.05.2014