Wissen schafft Vertrauen

Erkundungsarbeiten in Gorleben
Der Abschluss der Erkundung des Salzstocks Gorleben bildet die wesentliche Voraussetzung zur Klärung der Frage, ob er als Endlager für radioaktive Abfälle geeignet ist. Eignungsvoraussetzung ist eine langfristig sichere Isolation von wärmeentwickelnden Abfällen von der Biosphäre.. Eine Gefährdung von Mensch und Umwelt in dem in den Sicherheitsanforderungen des BMU definierten Betrachtungszeitraum von 1 Mio. Jahren muss also sicher ausgeschlossen werden (Langzeitsicherheit).

Die durch die Erkundung gewonnenen Daten bilden die Grundlage für die Erarbeitung der notwendigen Sicherheitsanalysen, wie sie beispielsweise im Rahmen der vorläufigen Sicherheitsanalyse Gorleben (VSG) erstellt wurde.

Gibt es potenzielle Wegsamkeiten für einen Zutritt von salinaren Wässern, die nicht aus dem Salzstock selbst kommen? Wo und wie groß sind Lösungsvorkommen, die seit sehr langen Zeiträumen im Salzstock selbst eingeschlossen sind? Können die in jüngster Zeit immer wieder in den Medien genannten Kohlenwasserstoffe, d.h. Kondensate und Gase, die seit der Entstehung des Salzstocks an bestimmte Horizonte gebunden sind, eine sichere Endlagerung gefährden?

Dies sind einige der zentralen Fragen, die nur durch eine umfängliche und ergebnisoffene Erkundung sicher geklärt werden können.

Weltweit umfangreichstes Erkundungsprogramm


Die ersten übertägigen Erkundungsarbeiten des Salzstocks Gorleben begannen bereits vor mehr als 30 Jahren: Von April 1979 bis in das Jahr 1983 hinein wurden insgesamt 477 km seismische Profile zur Bestimmung des Schichtenaufbaus und der Tektonik aufgenommen sowie 322 Pegelbohrungen (ca. 80 m tief) als Grundwassermessstellen, 44 Salzspiegelbohrungen (ca. 260 m tief), 4 Tiefbohrungen (ca. 2000 m tief) und zwei Schachtvorbohrungen (knapp 1000 m tief) abgeteuft. Die untertägige Erkundung begann dann mit dem Beginn des Abteufens von Schacht 1 im Oktober 1986. Die Arbeiten wurden im Jahr 2000 von der damaligen rot-grünen Bundesregierung für zehn Jahre unterbrochen (Moratorium). Grund für das Moratorium waren sogenannte „Zweifelsfragen“, die allerdings bereits 2005 abgearbeitet waren. In einem abschließenden BfS-Bericht wurde festgestellt, dass die noch verbleibenden Fragen nur durch konkrete Erkundungsmaßnahmen geklärt werden können.

Die nach Ende des Moratoriums im Oktober 2010 wieder aufgenommenen laufenden Arbeiten konzentrierten sich auf den Abschluss der bis 2000 begonnen Arbeiten im Erkundungsbereich (EB) 1. Auch die Erkundung des benachbarten EB 3 war ursprünglich geplant, wurde jedoch vom BMU nicht umgesetzt. Bei den Erkundungsarbeiten wurden eine ganze Reihe moderner geowissenschaftlicher Methoden genutzt, um letztlich ein umfängliches dreidimensionales geologisches Lagerstättenmodell zu erstellen, das sämtliche relevanten Informationen enthält; neben räumlich-strukturellen Informationen beispielsweise auch alle Daten zu Lösungs- und Kohlenwasserstoffvorkommen.

Seit dem 07.11.2012 ruhen die Erkundungsarbeiten durch gegen die eine Verlängerung des Hauptbetriebsplans eingelegte Klagen. Am 30.11.2012 hatte Bundesumweltminister Peter Altmaier in einer Pressekonferenz angekündigt, die Erkundungsarbeiten in Gorleben bis nach der Bundestagswahl 2013 auszusetzen, um die für Februar 2013 geplante Konsensgespräche zur Verabschiedung eines neuen Standortauswahlverfahrens nicht zu gefährden. Mit Inkrafttreten des Standortauswahlgesetzes (StandAG) am 27.07.2013 ist die Wiederaufnahme der Erkundung nur im Rahmen des Standortauswahlverfahrens möglich. Bis zu diesem Zeitpunkt wird der Standort Gorleben offengehalten, wenn er nicht vorher aus dem Verfahren ausgeschlossen werden sollte.