GRIMSEL (Schweiz)
Die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle), die für die Endlagerung in der Schweiz verantwortliche Gesellschaft, hat in der Nähe des Grimselpasses in den granitischen Gesteinen des Aar-Massivs ein untertägiges Forschungslabor errichtet. Es werden in dem Labor ausschließlich standortunabhängige Forschungsarbeiten durchgeführt. Die Einrichtung eines Endlagers wurde für diesen Bereich von vornherein ausgeschlossen.
Erste Arbeiten mit horizontalen Bohrungen begannen 1980. Der eigentliche Baubeginn war 1983 und die Eröffnung ein Jahr später. Das Felslabor liegt ca. 450 m unter der Ostflanke des Juchlistocks, auf einer Höhe von 1.730 m über NN. Das Untertagelabor zweigt nach ca. einem Kilometer von dem schon vorhandenen Zugangsstollen zur Zentrale eines nahen Wasserkraftwerks (Grimsel II der Kraftwerke Oberhasli AG) ab. Insgesamt ist das Stollensystem des Felslabors ca. 1000 m lang.
In zahlreichen Versuchen wurden physikalische und chemische Prozesse untersucht, die für die Endlagersicherheit maßgebend sind. Einer der größten und mit internationaler Beteiligung durchgeführten Versuche ist das FEBEX-Projekt "Full-scale Engineered Barriers Experiment" (Großmaßstäbliches Experiment für Technische Barrieren). Es ist ein Versuch im Maßstab 1:1, bei dem in einem Einlagerungstunnel die Endlagerung hochaktiver Abfälle und ausgedienter Brennelemente im Granit simuliert wird. Die hochradioaktiven Abfälle werden durch elektrisch betriebene Heizstäbe ersetzt. Diese sollen die beim radioaktiven Zerfall freigesetzte Wärme simulieren. Das System der aus Endlagerbehälter und umgebenden Bentonitringen gebildeten technischen Sicherheitsbarrieren soll im FEBEX-Projekt bis 2002 unter natürlichen Bedingungen auf seine Langzeitstabilität und Wirksamkeit getestet werden.
Unter der Leitung des Bundesamtes für Wasser und Geologie (BWG) wird im Mont-Terri im Kanton Jura ein internationales Forschungsprojekt durchgeführt. Es sind insgesamt 10 Partnerorganisationen aus 6 Ländern beteiligt. Die federführenden Gesellschaften sind die Andra (Frankreich), die Nagra (Schweiz) und ENRESA (Spanien). In dem Felslabor finden seit 1996 Versuche zur hydrogeologischen, geochemischen und felsmechanischen Charakterisierung des Gesteins Opalinuston statt. Es wird auch das Verhalten der technischen Barrieren untersucht. Die Resultate sind Bestandteil für die Beurteilung von Machbarkeit und Sicherheit geologischer Lager für radioaktive Abfälle im Tongestein.