Schweden
Mittelradioaktiver Abfall muss aus Strahlenschutzgründen abgeschirmt gehandhabt werden, bei hochradioaktivem Abfall muss zusätzlich noch die Nachzerfallswärme abgeführt werden. Eine weitere Unterteilung erfolgt in langlebigen und kurzlebigen radioaktiven Abfall. Als langlebig werden die Abfälle bezeichnet, wenn darin enthaltene Radionuklide längere Halbwertzeiten als 30 Jahre haben.
Der gesamte schwach- und mittelradioaktive, kurzlebige Abfall aus den schwedischen Kernkraftwerken, aus der Forschung, aus der Medizin und der Industrie wird im Endlager für schwach- und mittelaktive Abfälle in Forsmark (SFR), nördlich von Stockholm an der Ostküste, nahe dem gleichnamigen Kernkraftwerk eingelagert.
Die Einlagerungskammern des Endlagers Forsmark befinden sich 50 m unter dem Meeresgrund, wobei die Ostsee darüber durchschnittlich eine Tiefe von 5 Metern hat. Das Endlager ist so konzipiert, dass das eingelagerte Material mit Sicherheit solange von der Biosphäre isoliert bleibt, bis die Aktivität der Abfälle auf einen vernachlässigbaren Wert abgeklungen ist (ca. 300 Jahre). Die Isolation wird durch geeignete künstlich aufgebaute und natürliche Barrieren erreicht. Umfangreiche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass die das Grubengebäude umgebenden Grundwässer stagnieren und somit auch auf diesem Weg ein Transport von Schadstoffen in die Biosphäre ausgeschlossen werden kann.
Das Endlager SFR besteht aus fünf Felskavernen (ein Silo und vier Kammern). Die schwachaktiven Abfälle werden in den vier Kammern, von denen jede eine Länge von 160 m hat, eingelagert. Die Endlagerung erfolgt entweder durch Gabelstapler oder fernbedient über einen Kran. Der mittelradioaktive Abfall (LAW) wird in dem Silo senkrecht in kleinen Schächten fernbedient eingelagert. Das Endlager SFR hat eine Aufnahmekapazität von 60.000 m³ radioaktiven Abfall und kann auf 100.000 m³ erweitert werden. Es wurde im August 1988 in Betrieb genommen, die jährliche Annahmeleistung beträgt ca. 3.000 m³.
Die Entsorgungsstrategie für hochradioaktive bzw. wärmeerzeugende Abfälle inklusive ausgedienter Brennelemente geht davon aus, dass auch diese Art der radioaktiven Abfälle im tiefen geologischen Untergrund eingelagert werden soll.
Schweden hat sich für die "Direkte Endlagerung" der ausgedienten Brennelemente entschieden, um deren Wiederaufarbeitung zu vermeiden. Seit 1994 ist das Untertagelabor Äspö in Betrieb, in dem Forschungsarbeiten zur Erarbeitung von Planungsgrundlagen durchgeführt werden. Außerdem sollen im Untertagelabor in Äspö die Funktion der zur Endlagerung erforderlichen Komponenten im Maßstab 1:1 demonstriert werden. Für ein Endlager für ausgediente Brennelemente werden gegenwärtig Standorte gesucht, für die Durchführbarkeitsstudien erstellt werden sollen.