Eine sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Eigenschaften ist nach dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik möglich. Umweltsicherheit muss grenzenlos gewährleistet sein. Eine internationale Zusammenarbeit auf wissenschaftlicher und politischer Ebene ist deshalb besonders wichtig.
Im wissenschaftlichen Bereich sieht dies gegenwärtig wie folgt aus: die Endlagerung radioaktiver Abfälle kann, je nach den geologischen Gegebenheiten in den jeweiligen Ländern, in unterschiedlichen geologischen Formationen (z. B. Steinsalz, Ton, Granit) realisiert werden. Da sich die radioaktiven Abfälle in den einzelnen Ländern nach Art und Verhalten kaum unterscheiden, können somit Verfahren und Techniken der Endlagerung international angewandt werden, wenn ihre Eignung wissenschaftlich nachgewiesen ist und die geologischen Voraussetzungen gegeben sind. Im Rahmen internationaler Forschungsvorhaben werden bereits seit den frühen 70er Jahren in mehreren Untertagelabors, wie beispielsweise in dem schwedischen Labor ÄSPÖ, im Felslabor Grimsel in der Schweiz und der Asse in Deutschland von Wissenschaftlern verschiedenster Nationalitäten Methoden und Verfahren für eine Endlagerung in diversen geologischen Formationen entwickelt und erprobt. Insbesondere die westeuropäischen Länder und die Europäische Union fördern die wissenschaftliche Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Endlagerung, aber auch das Department of Energy (DOE) der USA, das in hohem Maße die Kooperation mit europäischen Partnern unterstützt.
Die europäischen Partner sind in der Abbildung dargestellt. Die Verweise zu deren Internetseiten finden Sie rechts im INFO- Panel
Die internationale Zusammenarbeit auf politischer Ebene wird in gleicher Weise gepflegt. So befasst sich zum Beispiel die im Jahre 1957 gegründete Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) mit Sitz in Wien/Österreich auch mit der Erarbeitung internationaler Standards für den Umgang mit radioaktiven Stoffen. Die IAEO hat heute 132 Mitgliedsstaaten. Zu den Gründerstaaten gehörten u. a. die USA und die ehemalige Sowjetunion. Die Bundesrepublik Deutschland ist bereits im Gründungsjahr beigetreten. Eines der Ziele der IAEO ist es, auf Basis der in den Mitgliedstaaten vorhandenen fachlichen Kompetenz und der gewonnenen politischen Erfahrungen einen optimalen Schutz für die Umwelt bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie zu erreichen. Die IAEO erarbeitet dazu z. B. Sicherheitsempfehlungen (Safety Series und Guidelines) als Grundlage für nationale und internationale Gesetze. Um den internationalen Dialog zwischen den Wissenschaftlern zu fördern, veranstaltet die IAEO Kongresse und unterstützt Tagungen zur Entsorgung und Endlagerung radioaktiver Abfälle.
Neben grundsätzlichen und wissenschaftlichen Themen befasst sich die IAEO auch mit aktuellen Problemen. Ein Beispiel hierfür ist die Sanierung der atomaren Hinterlassenschaften des kalten Krieges in der ehemaligen Sowjetunion. Unter Federführung der IAEO wurde die "Contact Expert Group" (CEG) mit Experten und Regierungsvertretern aus 10 Mitgliedsländern der IAEO einberufen. Die CEG hat die Aufgabe, Pläne zur Sanierung von atomaren Standorten und zur Beseitigung von radioaktiven Abfällen festzulegen und die finanziellen Mittel sinnvoll zu koordinieren. Ein Projekt, das dabei vorrangig behandelt wird, ist die Verschrottung von russischen Atom-U-Booten. Nach russischen Plänen sollen die hierbei anfallenden radioaktiven Abfälle in einem Endlager im Permafrost entsorgt werden. Die Sicherheit eines solchen Endlagers wird nun an den internationalen Kriterien gemessen und beurteilt. Es wird sichergestellt, dass Genehmigung, Bau und Betrieb des Endlagers Empfehlungen und Erkenntnisse der IAEO zu diesem Thema berücksichtigen.
Europäische Endlagerorganisationen
In Europa wird die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Endlagerung zusätzlich durch engen Kontakt der jeweiligen Endlagerbetreiber gepflegt. So treffen sich halbjährlich die Vertreter dieser Unternehmen zum Meinungsaustausch und Bericht über die aktuellen Endlagerentwicklungen im Rahmen des sogenannten "Club of Agencies". Auch die Deutsche Gesellschaft zum Bau- und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe (DBE) ist vertreten.