Stilllegung des Endlagers für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM)

In Verbindung mit dem Betrieb kerntechnischer Anlagen sowie bei der Verwendung von Radionukliden in Forschung und Technik fielen in der ehemaligen DDR schwach- und mittelradioaktive Abfälle an. Zur Entsorgung dieser Abfallstoffe wurden im Rahmen einer Standortsuche 10 Salzbergwerke auf ihre Eignung als Endlager überprüft. Als Ergebnis wurde die im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt gelegene Grube Bartensleben, ein ehemaliges Kali- und Steinsalzbergwerk, ausgewählt. Der Gewinnungsbetrieb im Schacht Bartensleben fand von 1912 bis 1969 statt. Von dem 526 Meter tiefen Schacht wurden vier Hauptsohlen im Teufenbereich von 386 Meter bis 506 Meter aufgefahren. Das Steinsalz wurde im Kammerabbau ohne Versatz gewonnen, so dass Hohlräume von ca. 100 m Länge, 30 m Breite und 30 m Höhe entstanden sind. Es bestehen untertägige Verbindungen zur benachbarten Schachtanlage Marie im Ort Beendorf. Schacht Marie dient als zweiter Zugangs-, Flucht- und Wetterweg. Das noch offene Hohlraumvolumen der Schachtanlage Bartensleben-Marie beträgt ca. 5.8 Millionen Kubikmeter.

In diesem untertägigen System wurde das Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben eingerichtet. Die Einlagerung begann nach erfolgreichen Eignungsuntersuchungen und Erteilung der Betriebsgenehmigung 1978 und wurde 1998 beendet. Die Abfälle befinden sich in Steinsalzabbauen im Bereich der 4. Sohle ca. 500m unter der Erdoberfläche.

Bereits während der Betriebsphase des Endlagers wurden mehrere Stilllegungsvarianten erarbeitet und schließlich zu einem optimierten Stilllegungs- und Langzeitsicherheitskonzept zusammengeführt. Dieses Konzept sieht eine aus zwei Phasen bestehende Verfüllung des ERAM vor. Zuerst erfolgt die Stabilisierung des stark durchbauten Zentralteils der Grube. Hierzu werden ausgewählte Grubenräume durch das Einbringen von Salzbeton (Flüssigbeton) vollständig verfüllt. Die stützenden Verfüllmaßnahmen sollen die Konvergenzen der Abbauhohlräume reduzieren und so unter anderem auch großflächige Absenkungen an der Tagesoberfläche verhindern. Anschließend wird mit Hilfe von technischen Barrieren (Streckenverschlüssen) die Abdichtung der Einlagerungsbereiche durchgeführt. Insgesamt sollen durch die Verfüllmaßnahmen der Grubenhohlräume die Standsicherheit des Grubengebäudes und die Integrität der geologischen Barriere gewährleistet werden. Als abschließende Maßnahme wird der Verschluss der Schächte Marie und Bartensleben durchgeführt.

Für die Stilllegung sind technisch-wissenschaftliche Nachweise hinsichtlich der Einhaltung sämtlicher Schutzziele, die sich aus den einschlägigen Gesetzen und Verordnungen ergeben, zu erbringen. Die Sicherheitsnachweisführung basiert auf geologischen und gebirgsmechanischen Standortbeschreibungen sowie auf geomechanischen Modellrechnungen, mit deren Hilfe die Standsicherheit des Grubengebäudes sowie die Barrierenfunktion des Gebirges bewertet werden. Parallel zur Optimierung des Verfüllkonzeptes wird derzeit die Anlagentechnik und die über- und untertägige Infrastruktur für die Durchführung der Verfüllmaßnahmen geplant. Darüber hinaus werden die im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für die Stilllegung erforderlichen Unterlagen erstellt. Darin werden auch die Auswirkungen des Vorhabens auf die Umwelt dargestellt und bewertet. Nach derzeitigem Planungsstand ist davon auszugehen, dass etwa zwei Jahre nach Planfeststellungsbeschluss, der 2008 erwartet wird, mit den Stilllegungsarbeiten begonnen werden kann. Die Verfüllmaßnahmen bis zum endgültigen Verschluss des Endlagers werden ca. 15 Jahre in Anspruch nehmen.

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