Rückholbarkeit und Bergung 

Das Ziel der Endlagerung von radioaktiven Abfällen in tiefen geologischen Formationen ist, die Abfälle langfristig sicher einzulagern und Schadstoffe damit dauerhaft von Stoffkreisläufen der Biosphäre zu isolieren. Die Langzeitsicherheit eines Endlagers ist dabei durch gestaffelte passive Sicherheitsbarrieren zu gewährleisten, damit künftigen Generationen keine unangemessenen Belastungen aufgebürdet werden („Nachsorgefreiheit“).

Ergänzend hierzu gibt es in den Sicherheitsanforderungen des BMU vom September 2010 folgende Forderungen:

  • In der Betriebsphase bis zum Verschluss der Schächte oder Rampen muss eine Rückholung der Abfallbehälter möglich sein
  • Die Handhabbarkeit der Abfallbehälter bei einer eventuellen Bergung aus dem stillgelegten und verschlossenen Endlager muss  für einen Zeitraum von 500 Jahren gegeben sein.
  • Maßnahmen, die zur Sicherstellung der Möglichkeiten zur Rückholung oder Bergung getroffen werden, dürfen die passiven Sicherheitsbarrieren und damit die Langzeitsicherheit nicht beeinträchtigen.

Dies bedeutet, dass das Endlagerkonzept derart ausgerichtet werden muss, dass eine Rückholung der Abfälle aus dem Bergwerk über mehrere Jahrzehnte des Endlagerbetriebs zu gewährleisten ist. Die technische Machbarkeit der Rückholung ist Teil des durchzuführenden Planfeststellungsverfahrens, die notwendige Technik muss entsprechend entwickelt werden. Zur Bergung von Abfallbehältern wäre die Auffahrung eines neuen Bergwerks notwendig.

In der Öffentlichkeit und in der Politik wird von Befürwortern der Rückholbarkeit unterstellt, dass eine dauerhaft rückholbare Endlagerung die Sicherheit im Endlager zwangsweise erhöhen würde. Es wird argumentiert, die Langzeitsicherheit eines Endlagers könne grundsätzlich nicht nachgewiesen werden und durch die Möglichkeit der Rückholung könnten „falsche“ Entscheidungen revidiert werden. Zudem würden nachfolgende Generationen noch die Möglichkeit haben, anders mit den Abfällen umzugehen (z.B. Nutzung als Rohstoff).

Alle maßgeblichen Institutionen in Deutschland, beispielsweise das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Bau- und Reaktorsicherheit (BMUB), das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) oder die Expertenkommission des Bundes, die Entsorgungskommission (ESK) sprechen sich aus sicherheitstechnischen Gründen allerdings entschieden gegen eine dauerhafte Rückholbarkeit aus. Es sind folgende Argumente zu nennen:

  • Zeitnahe Verschlussmaßnahmen erhöhen die Langzeitsicherheit, da durch den frühzeitigen vollständigen Einschluss der Abfälle die Möglichkeit eines Zulaufens von Wasser/Lauge deutlich reduziert wird.
  • Ein langfristig offen gehaltenes Endlager zur Gewährleistung der Rückholbarkeit widerspricht dem Ziel der passiv sicheren Endlagerung, d.h. der Konzentration und Isolation der Abfälle vor der Biosphäre, fundamental. Es würde sich hierbei dann weniger um ein Endlager als um ein Langzeitzwischenlager handeln.
  • Sehr langfristige geologische Veränderungen sind im Vergleich zur gesellschaftlichen Veränderungen (Wirtschaftskrisen, Kriege) sehr gut zu prognostizieren. 
  • Auch wird bei einer Endlagerung ohne Rückholungsoption die Verantwortung von der Generation, die die Abfälle verursacht hat, übernommen und nicht auf zukünftige Generationen verschoben.

Die Entsorgungskommission des Bundes (ESK) hat auf seiner Internetseite ein Diskussions- sowie ein Thesenpapier zu diesem Thema veröffentlicht.