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  • 26.09.20162nd Conference on Key Topics in Geological Disposal

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Aktuelle Fragestellungen

Zügige Inbetriebnahme des Endlagers Konrad

Die Schachtanlage Konrad in Salzgitter ist seit dem Jahr 2002 als Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle bzw. für Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung planfestgestellt, d.h. genehmigt, und wird nach Abweisung aller Klagen gegen die Genehmigung seit dem Jahr 2009 vom zuständigen Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zum Endlager umgerüstet. Mehr als 90% des in Deutschland anfallenden Volumens radioaktiven Abfalls soll hier zukünftig eingelagert werden. Der Großteil dieser Abfälle entsteht bei der Stilllegung und beim Rückbau von Kernkraftwerken. Durch den Beschluss der Bundesregierung, ab dem Jahr 2022 auf die Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung zu verzichten, ist die Abschaltung der Kernkraftwerke gegenüber der Situation vor der entsprechenden Atomgesetz-Novelle von Juli 2011 zeitlich deutlich vorgezogen: bereits acht Kernkraftwerke wurden seitdem vom Netz genommen, die restlichen folgen in den Jahren 2015, 2017, 2019, 2021 und die letzten 2022. Eine zeitnahe Inbetriebnahme des Endlagers ist daher notwendig, um direkt in den Rückbau einsteigen zu können ohne für die radioaktiven Reststoffe wiederum zusätzliche Zwischenlagerkapazitäten an den Kraftwerksstandorten errichten zu müssen. Nach aktuellen Berechnungen der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH (DBE), dem technischen Erfüllungsgehilfen des BfS, ist aktuell von einer Inbetriebnahme im Jahr 2022 auszugehen. Der Betreiber BfS hat diesen Termin allerdings noch nicht als belastbaren Inbetriebnahmetermin bestätigt. 

Vorbereitung des Standortauswahlverfahrens durch die Kommission „Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“

Mit dem Standortauswahlgesetz (StandAG) vom Juli 2013 haben Bund und Länder beschlossen, ein neues Auswahlverfahren zu beginnen, in dem auch weitere Standorte übertägig und untertägig erkundet werden sollen. Mit dem geplanten Verfahren soll ein Standort identifiziert werden, der die „bestmögliche Sicherheit für einen Zeitraum von einer Million Jahre gewährleistet“. Damit gibt der Bund sein seit den 1970er Jahren verfolgtes Ziel, den Salzstock Gorleben zu erkunden, um seine mögliche Eignung als Endlager insbesondere für hoch radioaktive bzw. Wärme entwickelnde Abfälle festzustellen, kurz vor einer möglichen Eignungsaussage auf. Bisher liegen keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse vor, die eine Eignung des Salzstocks in Frage stellen.

Vor dem eigentlichen Beginn des neuen Auswahlverfahrens soll die Kommission „Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“, die ihre Arbeit im Mai 2014 aufgenommen hat, bis Ende 2015 insbesondere Mindest- und Ausschlusskriterien entwickeln, die dem weiteren Verfahren zugrunde gelegt werden. Zuletzt hatte der unabhängige Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte (AkEnd) in den Jahren 1999 bis 2002 solche Kriterien erarbeitet. Aktuell gültig sind die „Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung Wärme entwickelnder radioaktiver Abfälle“ die vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit im September 2010 veröffentlicht wurden.

Mit dem neuen Standortauswahlverfahren verschiebt sich die Inbetriebnahme eines Endlagers für Wärme entwickelnde Abfälle um mindestens 20 Jahre; die Einlagerung des letzten Abfallgebindes wird damit um die nächste Jahrhundertwende erwartet. Damit ergibt sich auch die Notwendigkeit, die Lagerzeiten in den zentralen sowie den standortnahen Zwischenlagern entsprechend zu verlängern. Zwar ist im Standortauswahlgesetz das Jahr 2031 als Meilenstein zur Benennung eines endgültigen Endlagerstandorts benannt, jedoch ist aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen bei Großprojekten, z.B. bei der Genehmigung und der Umrüstung des Endlagers Konrad sowie schon aus den notwendigen Zeiträumen zur Auffahrung von Bergwerken (alleine mehrere Jahre zum Abteufen eines Schachts), wohl von einer deutlich längeren Verfahrensdauer auszugehen. Das bisher verfolgte Prinzip, dass die Generation, die Nutzen aus der Kernenergie zur Stromerzeugung gezogen hat, auch für eine sichere Endlagerung zu sorgen hat, wird damit faktisch aufgegeben. 

Rückholung radioaktiver Abfälle aus der Schachtanlage Asse II

Das im März 2013 von Bundestag und Bundesrat beschlossene „Gesetz zur Beschleunigung der Rückholung radioaktiver Abfälle und der Stilllegung der Schachtanlage Asse II“ („Lex Asse“) sieht als „Vorzugsoption“ die Rückholung aller radioaktiven Abfälle aus der seit den 1960er Jahren vom Bund betriebenen Schachtanlage Asse II vor. Mit dem Beginn der Rückholung ist laut dem zuständigen BfS frühestens im Jahr 2033 zu rechnen. Die Dauer der Rückholung selbst ist laut BfS noch nicht belastbar abzuschätzen, es ist unter Fachleuten aber unstrittig, dass diese mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen würde.

Nach Berechnungen des BfS-Gutachters Institut für Gebirgsmechanik (IfG) ist die Resttragfähigkeit des gesamten Grubengebäudes bis zum Jahr 2020 gegeben, sofern sich der vorhandene gebirgsmechanische Zustand nicht entscheidend verschlechtert. Eine gemeinsame Stellungnahme der Entsorgungskommission (ESK) sowie der Strahlenschutzkommission (SSK) des Bundes vom 11. Juli 2013 fordert daher, dass vor der eigentlichen Rückholung alle Schutzmaßnahmen für den Fall des unkontrollierten Lösungszuflusses, alle Maßnahmen zur Erhaltung der Gebrauchstauglichkeit der Grube sowie Schutzmaßnahmen der Bevölkerung mit höchster Priorität umgesetzt werden müssen.

Der Fachverband für Strahlenschutz e.V. kritisiert in einem Brief an die zuständigen Bundesministerien vom 15. Februar 2011 die vorzeitige Festlegung auf eine Rückholung, insbesondere vor dem Hintergrund der bisher nur sehr groben Abschätzung der Strahlenexposition für Mitarbeiter und Bevölkerung während und durch die Rückholung. Eine realistische Abschätzung der Dosisbelastung durch die Rückholung müsse mit einer möglichen Dosisbelastung bei einem Verbleib der Abfälle im Endlager mit einem unbeherrschbaren vorzeitigen Lösungszutritt verglichen werden.

Um zurückgeholte Abfälle dauerhaft sicher zu entsorgen, müssten die rückgeholten Abfälle darüber hinaus zwischengelagert, konditioniert, neu verpackt und schlussendlich in ein anderes Endlager verbracht werden.